Mit Kritik umgehen

Von Dr. Anja Schäfer

Jede Anwältin und jeder Anwalt kennt Situationen aus dem Kanzleialltag, in denen man sich mit kritischen Äußerungen der Mandantschaft zur eigenen Arbeit auseinandersetzen darf und muss. Egal wie viel Einsatz und Herzblut in das jeweilige Mandat gesteckt wurde, es gibt immer Mandantinnen und Mandanten, die – mitunter auch zu Recht – an den Ergebnissen der anwaltlichen Arbeit etwas auszusetzen haben.

Mit Kritik umzugehen, ist – auch für Berufserfahrene – nicht immer leicht. Ein konstruktiver und damit erfolgreicher Umgang mit Kritik der Mandantschaft lässt sich jedoch (er-)lernen.

Erfahren Sie im Folgenden durch fünf Erfolgstipps, wie Sie Ihre Kritikfähigkeit trainieren. Mit der Folge, dass Sie kritische Äußerungen anderer richtig einzuschätzen wissen, pauschale Kritik hinterfragen, für sich das „Körnchen Wahrheit“ finden und so die Rückmeldungen Ihrer Mandantschaft für sich nutzen.

TIPP 1: Werden Sie sich Ihrer „Kritikschwächen“ bewusst!

Gehören Sie auch zu den Menschen, die kritische Äußerungen ihrer Mandantinnen und Mandanten (aber auch anderer Personen wie Ihrer Vorgesetzten oder eines Kollegen) nicht richtig einordnen (können) und darin schnell einen persönlichen Angriff vermuten? Fragen Sie sich regelmäßig, was Sie falsch gemacht haben, oder was Ihre Mandantin so verärgert hat?

Sicher lassen sich solche Momente nicht (immer) vermeiden. Schnell beginnt man, sich gegen den so empfundenen Angriff vorauseilend zu verteidigen oder das eigene Handeln zu rechtfertigen.

Dies führt meistens dazu, dass man im Einzelfall unsachlich oder gar besonders angriffslustig reagiert oder sich im Ton vergreift. Eine solche Reaktion führt nicht nur dazu, dass die jeweilige Kommunikation nicht den gewünschten Verlauf nimmt. Sie kostet zudem viel Energie, belastet regelmäßig das Arbeitsklima und im schlimmsten Fall das jeweilige Mandat. Ein Grund mehr, an der eigenen „Kritikschwäche“ zu arbeiten.

Ein angemessener Umgang mit Kritik ist absolut notwendig, wenn Probleme im Mandatsalltag konstruktiv gelöst werden, ein kommunikatives und belastbares Arbeitsklima gegeben sein und das Mandat selbst vorangebracht werden sollen. Ein solches Vorgehen wirkt sich zudem auch positiv auf die Zufriedenheit aus, Ihre eigene und die Ihrer Mandantschaft.

TIPP 2: Hören Sie bewusst nur das, was Ihr Gegenüber sagt

Kommunikation beginnt bekanntlich beim Empfänger bzw. bei der Empfängerin – demzufolge bei einer negativen Kritik bei Ihnen. Hören Sie daher genau hin und hören bewusst nur das, was diese Person sagt. Beginnen Sie nicht gleich damit, deren Aussage zu bewerten oder gar etwas hineinzuinterpretieren.

Denn eine kritische Äußerung ist nur dann ein Vorwurf und damit so auch zu verstehen, wenn sie explizit als solcher formuliert wurde. Etwas hintenherum angedeutet oder indirekt angesprochen sollten Sie nicht automatisch als einen Vorwurf, sondern im Interesse eines konstruktiven Austausches grundsätzlich erst einmal als „bloße“ Aussage verstehen.

Sorgen Sie daher für Klarheit, bevor Sie – unter Umständen unbewusst und automatisch – in die Rechtfertigung gehen oder sich persönlich angegriffen fühlen. Wenn Ihnen etwas unklar bleibt, fragen Sie nach. Klären Sie, was Ihr Gegenüber mit der betreffenden Rückmeldung gemeint hat. Wollte er bzw. sie diese als Kritik oder eben nur als Aussage verstanden wissen?

TIPP 3: Hinterfragen Sie pauschale Kritik!

Pauschal formulierte Kritik begegnet einem in der Mandatsarbeit immer wieder, wenn Sie sich mit pauschalisierten und damit unkonkreten Aussagen auseinandersetzen dürfen.

Als Anwältin oder Anwalt kommen Sie ganz einfach mit pauschaler Kritik zurecht, indem Sie ab sofort jede pauschalisierte Äußerung sofort gezielt hinterfragen und sich diese von der jeweiligen Person erklären lassen. Und am leichtesten und am einfachsten funktioniert das Ganze unter Wiederholung der Worte Ihres Kritikers bzw. Ihrer Kritikerin, in der Art: „Was genau meinen Sie damit, ich bin für Sie nie erreichbar?“

Erst wenn Ihr Mandant oder Ihre Mandantin die jeweilige Kritik konkretisiert, lohnt es sich für Sie, sich mit der angesprochenen Sache auseinanderzusetzen. Denn erst jetzt kennen Sie das Problem und können entscheiden, ob Sie aktiv werden und etwas ändern (wollen). Sie werden schnell feststellen, dass eine konkrete Kritik in der Regel meist viel weniger bedrohlich als die Pauschalkritik ist. Freundlich nachzufragen, lohnt sich daher immer!

Unterbleibt die Konkretisierung trotz mehrfacher Nachfrage, bleiben Sie souverän und gelassen, was auch Ihre Kritikerinnen und Kritiker bemerken werden. Diesen Tipp sollten Sie vor allem bei unfairer oder verletzender Pauschalkritik beherzigen, bei der Ihnen bspw. unterstellt wird, dass Sie als Berufsanfängerin von der jeweiligen rechtlichen Materie keine Ahnung haben. Mit etwas Übung agieren Sie in diesem Fall schnell professionell: Stellen Sie ein, zwei Konkretisierungsfragen und checken Sie die Erwartungen ab (bspw. „Was erwarten Sie von mir?“) – und gehen Sie dann zum nächsten (Tagesordnungs-)Punkt über.

TIPP 4: Nehmen Sie Ihrem Gegenüber den Wind aus den Segeln!

Vielleicht hören Sie die ein oder andere Kritik zu Ihrer Person oder Arbeit regelmäßig, mit der Sie scheinbar nicht wirklich etwas anfangen können. Wenn es Ihnen jedoch gelingt, die Rückmeldung Ihres Gegenübers als Spiegel Ihres Tuns oder Ihrer Kommunikation zu nehmen, werden Sie häufig genug feststellen, dass Sie selbst den ersten Stein für die Kritik gelegt haben.

Hinterfragen Sie daher regelmäßig und bewusst Ihre eigene Kommunikation, Ihr Verhalten und Ihre Wirkung auf andere. Ändern Sie diese bei Bedarf, stellen Sie bspw. ein bestimmtes Verhalten im Einzelfall ein oder um. Dann werden auch Sie es schnell erleben, dass Sie deutlich weniger Kritik „provozieren“ und damit auch hören. Denn jede Kritik, die Sie proaktiv verhindern, belastet und ärgert Sie nicht (mehr).

TIPP 5: Trainieren Sie Ihre Kritikfähigkeit!

Fokussieren Sie sich auf die sachliche Information und damit auf das Körnchen Wahrheit, das in fast jeder Kritik liegt. Mit dieser Vorgehensweise gelingt es meistens leicht und schnell, bei kritischen Äußerungen sachlich zu bleiben.

Wenn dies für Sie (noch) herausfordernd ist, dann trainieren Sie Ihre Kritikfähigkeit.

Denn Kritik ist mitunter übel, aber in der Regel meist das kleinere Übel. Nicht kritisiert zu werden, ist weitaus schlimmer. Wenn Sie jedoch Kritik schnell persönlich nehmen, häufig angriffslustig reagieren, sich oft dadurch verletzt fühlen, dann kann es passieren, dass Ihre Mandantinnen und Mandanten ihre Kritik einstellen. Das wäre für Sie persönlich von Nachteil, denn in jeder Kritik steckt bekanntlich das bereits erwähnte Körnchen Wahrheit. Dies müssen Sie nur für sich entdecken und zu nutzen lernen.

Ob Sie die Rückmeldung Ihrer Mandantschaft als Kritik einstufen oder als „bloßes“ Feedback zu Ihrer Arbeit verstehen, wichtig ist zum Schluss nur noch das: Jede Äußerung dieser Art ist ein Vorschlag Ihres Gegenübers, Dinge anders zu sehen, zu verstehen und zu handhaben. Sie entscheiden, ob Sie sich etwas aus der jeweiligen Äußerung machen – und was. Diese Entscheidung sollten Sie sich nicht nehmen lassen. Ganz im Sinne: „Nur weil jeder lesen und schreiben kann, meint jede Person, ein Buch kritisieren zu dürfen.“

Weitere Beiträge

Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer unterstützt und berät als Business Coach und Mentorin vorrangig Anwältinnen bei Fragen zur strategischen Ausrichtung, zur beruflichen und persönlichen Neu- und Umorientierung, zur Kommunikation im Kanzleiumfeld, zum Netzwerkaufbau sowie zur Sichtbarkeit als Experte oder Expertin im Netz (insbesondere auf LinkedIn). Zu diesen Themen veranstaltet sie regelmäßig Events, so bspw. unter dem Slogan "Als Expertin sichtbar" am 30. September 2022 das erste "Juristinnen netzwerken … BarCamp" – als Open Space-Format – in Berlin. Mehr Informationen: https://www.juristinnen-netzwerken.de/.

Bild: Adobe Stock/©Nuthawut

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