Innovative Rechtsberatung Dr. Anette Schunder-Hartung

Von Dr. Anette Schunder-Hartung

Regulierung, politische Volatilität, Kostendruck: Kanzleien im B2B-Bereich stehen vor zahlreichen Herausforderungen und müssen sich mehr denn je fragen, wie sie sich zukunftsfähig aufstellen können. Rechtsanwältin und Kanzleiberaterin Dr. Anette Schunder-Hartung hat deshalb führende Köpfe aus 20 wirtschaftsnahen Rechtsgebieten befragt: Welche Faktoren prägen den Arbeitsalltag? Was ist für einen langfristig erfolgreichen Marktauftritt zu tun? Im Interview verrät sie, worauf es nach Ansicht der Expertinnen und Experten künftig ankommen wird. Das ist spannend für alle Juristinnen und Juristen, die sich mit strategischen Weichenstellungen beschäftigen – als Nachwuchskräfte, mitten im Arbeitsalltag oder als alte Hasen mit Blick auf die Beitragssicherung im Versorgungswerk.

Frau Schunder-Hartung, woher kam der Impuls, ein Buch zum Thema innovative Rechtsberatung herauszugeben und führende Köpfe zu diesem Thema zu interviewen?

In unseren aHa-Kanzleireihen reden wir seit vielen Jahren über die Frage, welche Herausforderungen Wirtschaftssozietäten zu stemmen haben – gerade als Mittelstandsberatende. Während es in den 2010er-Jahren eher um technische Zukunftsfragen ging, hat die digitale Transformation seit Beginn der 2020er Jahre den Fokus verschoben: Wir sprechen darüber, wie wir uns in einer immer schwierigeren Sandwichposition behaupten können. Druck bekommen Anwältinnen und Anwälte ja mittlerweile nicht mehr nur von der Konkurrenz – auch automatisierte Dienstleister erobern zunehmend die Beratungswelt. Von der veränderten Erwartungshaltung und neuen Ansprüchen beim juristischen Nachwuchs ganz zu schweigen. Das erlebe ich gerade live von beiden Seiten: Zwei unserer drei Kinder haben Jura studiert und stellen als Prädikatsjuristen ungeahnte Anforderungen an ihre künftigen Arbeitgeber.

Wie kann das Buch Kanzleien bei der nachhaltigen Kanzleientwicklung unterstützen?

Gemeinsam mit den unterschiedlichsten Köpfen unserer Reihen habe ich Beratungsfelder aufgelistet, die wir für besonders zukunftsträchtig halten. Das reicht von Arbeitsrecht, Banking & Finance, Compliance, Corporate/M&A über Datenschutz- und IT-Recht bis hin zu praktisch so präsenten Gebieten wie Energierecht, Freizeit und Tourismus oder Immobilien- und Baurecht. Insolvenzrecht, Kartellrecht und Restrukturierung kommen ebenso zur Sprache wie die besonderen Herausforderungen des internationalen Rechts, des Notariats oder der Patentkanzlei. Um Prozessführung geht es ebenso wie um Umweltrecht, Vergaberecht und Versicherungsrecht. Vertriebs- und Handelsrecht sind ebenso ein Thema wie das Wirtschaftsstrafrecht.

In zwei allgemeinen Teilen werden die Zukunft der unternehmensinternen Rechtsberatung und die spezifischen Herausforderungen der juristischen Geschäftsentwicklung als solcher begutachtet. Ein Übersichtsteil mit Zusammenfassung und Ausblick rundet das Ganze ab.

Im Ergebnis erhalten Sie in bisher beispielloser Weise zu vier einheitlichen Fragestellungen Do‘s and Don’ts – und das aus der Feder gestandener Praktikerinnen und Praktiker.

Dabei sprechen alle Beteiligten auch Empfehlungen für die Weichenstellungen mit Blick auf die nächsten zehn Jahre aus. Denn eines ist sicher: Die weiteren Entwicklungen gehen uns alle an. Auch diejenigen unter uns, die (wie ich) der Babyboomer-Generation angehören, wünschen sich nach dem Ende ihres aktiven Erwerbslebens schließlich Altersbezüge aus stabilen Versorgungswerken.

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Teilnahme bis 30. Juni 2023.

In „Innovative Rechtsberatung“ geht es auch darum, welche Skills künftig gefragt sein werden. Könnten Sie uns beispielshaft eine Qualifikation nennen, die nach Meinung Ihrer Interviewpartner an Bedeutung gewinnen wird?

Wer sich künftig als Expertin bzw. Experte behaupten will, muss vor allem eines können: Nachahmungsfest arbeiten!

Was heute als Kern juristischen Wissens und Könnens an den Universitäten vermittelt wird, ist in absehbarer Zeit für die Praxis eben nicht mehr „ausreichend“.

Sachverhalte zu konfigurieren und darauf Rechtsregeln anzuwenden, um Prognosen und Entscheidungen zu generieren, ähnelt gar zu sehr der Gleichung „Data x Algorithmus = Entscheidung“. Da muss mehr und noch anderes Basis können her, sei es mit Blick auf die früher so gerne belächelten Soft Skills, sei es hinsichtlich eines Verständnisses der Grundlagen des Programmierens. In den Kanzleireihen haben wir uns gerade über das Thema „Verhandeln in virtuellen Zeiten“ unterhalten. Das wiederum ist verbunden mit dem Komplex der guten Kommunikation, bei dem nach meiner Erfahrung noch immer vieles schiefgeht in den Kanzleien. Beispielsweise leidet das Cross-Selling darunter, dass x dem y irgendwann einmal einen Fehler vor die Füße geworfen hat. Und y jetzt gar nicht mehr einsieht, „seine“ Mandanten mit x zu teilen. Oder man verliert sich in Kämpfen um unversöhnliche Positionen, anstatt nach den dahinterliegenden Interessen für einen Ausgleich zu suchen. Was dann, sobald man diese Kunst beherrscht, wiederum ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zu jeder KI ist: Technischen Systemen fällt es viel schwerer als Menschen, um die Ecke zu denken.

Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Antworten!

Dr. Anette Schunder Hartung ist seit über 30 Jahren Juristin und war in dieser Zeit in unterschiedlichen Positionen tätig, u. a. viele Jahre lang als Schriftleiterin der NJW-Gruppe, zuletzt als Chefredakteurin des Anwaltshandbuchs Kanzleien in Deutschland. Zudem hatte die Rechtsanwältin an der Frankfurter Universität von 2008 bis 2013 den Lehrauftrag für Vergaberecht inne. Seit 2015 berät sie als Inhaberin von aHa Strategische Geschäftsentwicklung mit ihrem Team Kanzleien, Unternehmen, Medienhäuser und Hochschulen.
www.aha-entwicklung.de

 

Bild: © Schäffer-Poeschel