Fachliche Kompetenz allein bringt Sie im juristischen Berufsleben nur begrenzt weiter. Sichtbarkeit, Präsenz und persönliche Beziehungen sind entscheidende Karrierefaktoren – insbesondere für die junge Anwaltschaft, die sich in der Kanzlei sowie im Markt positionieren will.

Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass bis zu 90 Prozent des beruflichen Erfolgs von Personal Branding sowie dem eigenen Netzwerk abhängen (vgl. die nachfolgende Grafik).

Networking-Fahrplan

Wer also gezielt und strategisch netzwerkt, verschafft sich Vorteile – nicht nur auf Karrieremessen oder anderen Networkingveranstaltungen, sondern weit darüber hinaus. 

Damit Ihr nächster (Karriere-)Messebesuch mehr wird als das Sammeln von Visitenkarten, finden Sie hier Ihren Fahrplan für erfolgreiches Networking vor, während und nach einer Karrieremesse.

1. Vor der Messe: Vorbereitung ist Ihr Karriere-Booster

Erfolgreiches Networking beginnt lange vor dem ersten Handschlag. Wer vorbereitet auf eine Messe geht, wirkt souverän, interessiert und professionell. Drei Erfolgshebel sind entscheidend:

TIPP 1: LinkedIn-Profil professionell aufstellen 

Ein aktuelles, professionelles LinkedIn-Profil ist Ihr digitales Aushängeschild. Es vermittelt nicht nur potenziellen Arbeitgebenden sowie und Kanzleivertreterinnen und -vertretern den entsprechenden guten ersten Eindruck von Ihrer Persönlichkeit, Expertise und Motivation, sondern jeder Person, mit der Sie sich zielgerichtet oder eher zufällig auf der Messe austauschen und vernetzen.

Prüfen und ergänzen Sie ggfs. Ihre Angaben, hinterlegen Sie ein aussagekräftiges Foto und formulieren Sie einen prägnanten Profilslogan – damit Ihre digitale Kurzvorstellung stimmt.   

TIPP 2: Ziele definieren & Kernbotschaften bzw. Fragen vorbereiten

Überlegen Sie, welche Kanzleien, Rechtsgebiete oder Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber für Sie interessant sind. Mit klaren Zielen treten Sie gezielter auf und können Ihre Gespräche besser steuern. 

Machen Sie sich vorab Gedanken dazu, was Sie in der jeweiligen Gesprächssituation erreichen und wie Sie rüberkommen wollen. Definieren Sie Ihre Kernbotschaft und formulieren Sie für sich die Werte die Ihnen in puncto Arbeitgeber, Kanzleiumfeld und Tätigkeit wichtig sind.

TIPP 3: Kontakte vorbereiten

Folgen Sie den für Sie interessanten Unternehmen bereits auf LinkedIn, um Anknüpfungspunkte für Gespräche zu finden. Sofern möglich, vernetzen Sie sich bereits vorab mit potenziellen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern – das erleichtert den Einstieg vor Ort.

Recherchieren Sie außerdem vorab, welche Vertreterinnen und Vertreter der Kanzleien oder Unternehmen auf der Messe sein werden, und bereiten Sie für Ihre Favoriten gezielte Fragen vor. So zeigen Sie echtes Interesse und können im Gespräch mit fundiertem Wissen über aktuelle Themen, Tätigkeitsbereiche oder Kanzleikultur punkten. Wer vorbereitet in den Austausch geht, wirkt nicht nur engagiert, sondern bleibt auch nachhaltig in Erinnerung.

2. Während der Messe: Small Talk ist Ihr Türöffner

Small Talk ist kein oberflächliches Geplauder, sondern die Kunst, über Leichtigkeit Vertrauen zu schaffen. Rund 80 Prozent unserer alltäglichen verbalen Kommunikation besteht daraus – und wer ihn beherrscht, kann Sympathie und Nähe erzeugen. 

Für eine Karrieremesse gilt daher: Seien Sie proaktiv! Warten Sie nicht, bis man auf Sie zukommt. Gehen Sie selbst auf Gesprächspartnerinnen und -partner zu – das wirkt interessiert und selbstbewusst. 

Zeigen Sie Interesse: Die wichtigste Zutat für gelungenen Smalltalk ist echte Neugier. Fragen Sie offen („Was hat Sie heute auf die Messe geführt?“ oder „Wie sieht der Berufsalltag in Ihrer Kanzlei aus?“). Wer fragt, führt – und lenkt das Gespräch gleichzeitig in die gewünschte Richtung.  Vergessen Sie nicht, dass auch Ihr Gegenüber von Ihren authentischen Fragen profitiert. In einer Branche, die sich zunehmend mit einem Fachkräftemangel konfrontiert sieht, können sie Kanzleien und Unternehmen dabei helfen, zu verstehen, was Nachwuchstalenten wichtig ist.

Sprechen Sie auch über sich: Vergessen Sie nicht, Ihre eigenen Stärken und Interessen einzubringen. Wenn Sie wissen, was Sie über sich sagen wollen, fällt es leicht, die entsprechende Kernbotschaft an den Mann oder die Frau zu bekommen.   

Bleiben Sie authentisch: Nichts überzeugt mehr als Echtheit. Sie müssen sich nicht verstellen, um professionell zu wirken. Freundlichkeit, Offenheit und eine klare Haltung reichen völlig aus. 

Vernetzen Sie sich direkt am Ende eines Gesprächs digital – über den QR-Code in der LinkedIn-App. Das ist schnell, unkompliziert und signalisiert Professionalität. Zudem gibt es Ihnen die Möglichkeit, ganz (digitales) nebenbei Ihr Netzwerk weiterauszubauen.

3. Nach der Messe: Beziehungen pflegen statt abhaken

Networking endet nicht mit dem Verlassen der Messehalle. Der eigentliche Mehrwert entsteht danach – wenn Sie die neu geknüpften Kontakte in Beziehungen verwandeln. Was Sie also zeitnah, d. h. innerhalb von 72 Stunden nach dem Messebesuch, tun sollten:

TIPP 1. Persönliche Nachricht senden

Schreiben Sie nach der Kontaktbestätigung der jeweiligen Person eine kurze, persönliche LinkedIn-Nachricht. Bedanken Sie sich in dieser für das persönliche Gespräch, nehmen Sie Bezug auf das Thema und erinnern Sie an den Anlass („Juracon Frankfurt, Gespräch über Arbeitsrecht“). Diese individuelle Geste unterscheidet Sie von der Masse und Sie bleiben länger im Gedächtnis.

TIPP 2: Reflexion und Nachbereitung

Nehmen Sie sich Zeit, Ihren Messebesuch zu analysieren. Welche Ziele haben Sie erreicht? Welche Gespräche waren besonders wertvoll und warum? Mit wem wollen Sie persönlich im Austausch bleiben? So entwickeln Sie Ihren persönlichen Networking-Stil weiter.

Nutzen Sie diese Reflexion außerdem, um konkrete nächste Schritte festzuhalten. Prüfen Sie, wo sich aus den Gesprächen Anknüpfungspunkte ergeben – etwa ein gemeinsames Interesse, ein Fachthema oder eine mögliche Zusammenarbeit. Notieren Sie sich die Namen Ihrer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, deren Funktionen und eventuelle Themen, über die Sie gesprochen haben. Diese kleinen Notizen sind beim späteren Wiederaufgreifen des Kontakts Gold wert und helfen Ihnen, authentisch und verbindlich in Erinnerung zu bleiben.

TIPP 3: Anschlussaktivitäten planen

Suchen Sie gezielt nach Gelegenheiten, um Kontakte zu vertiefen – etwa bei Fachveranstaltungen, Netzwerken wie dem Deutschen Juristinnenbund, dem Forum Junge Anwaltschaft oder dem örtlichen Anwaltverein. Wiederholte Begegnungen, bspw. auf kanzleieigenen Recruiting-Events, sorgen dafür, dass man sich noch länger an Sie erinnern wird. 

Selbstmarketing: Sichtbarkeit mit Haltung

Networking funktioniert nur dann nachhaltig, wenn es mit gezieltem Selbstmarketing verbunden ist. Dabei geht es nicht um laute Selbstinszenierung, sondern um die bewusste Präsentation Ihrer Qualitäten – wie die nachfolgenden 3 Tipps zeigen:

TIPP 1:
Positionieren Sie sich als Expertin bzw. Experte: Machen Sie Ihre Themen sichtbar – sei es durch Beiträge auf LinkedIn, Vorträge in Fachkreisen oder Diskussionen in juristischen Netzwerken. 

TIPP 2: Tun Sie Gutes und sprechen Sie darüber: Teilen Sie Ihre Erfolge und Projekte, ohne zu übertreiben. So schaffen Sie Relevanz und Wiedererkennung. 

TIPP 3: Werden Sie zur „Super-Connectorin“: Bringen Sie (ggfs. auch im Nachgang der Veranstaltung) andere Menschen miteinander in Kontakt. Wer Verbindungen schafft, wird selbst zum zentralen Knotenpunkt eines Netzwerks – und damit unverzichtbar. 

Strategisch, sympathisch, sichtbar

Erfolgreiches Networking ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Strategie, Haltung und Kontinuität. Für Nachwuchsjuristinnen und -juristen bedeutet das: Bereiten Sie sich gezielt vor, treten Sie souverän auf und bleiben Sie in Kontakt – online wie offline. 

Networking ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der sich lohnt. Denn in einer Branche, in der Leistung selbstverständlich ist, entscheidet oft Ihr Netzwerk darüber, welche Türen sich öffnen. Und wer die Kunst des Austauschs beherrscht, knüpft nicht nur Kontakte – sondern Verbindungen mit Wirkung.

Weitere Beiträge

Dr. Anja Schäfer ist Anwältin und Expertin für Networking & Female Leadership in Kanzleien. Als Karriere-Coach unterstützt sie exklusiv Juristinnen dabei, durch Personal Branding und Networking ihre Karriereziele zu erreichen und als Expertin sichtbar, bekannt und anerkannt zu werden. Sie ist Host vom „Juristinnen machen Karriere! Podcast“ und veranstaltet regelmäßig Networking-Events für Juristinnen, nicht nur digital, sondern auch deutschlandweit vor Ort mit ihrem After-Work-Format.

Bild: Adobe Stock/©rh2010
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