MkG-Expo

MkG wagt sich auf neues Terrain: Der FFI-Verlag veranstaltete vom 10.-11. November erstmals die virtuelle MkG-Expo. Mit über 900 Teilnehmer*innen erfreute sich das MkG-Expo-Team über reges Interesse an der neuartigen Veranstaltung. Doch wie kam die Messe bei Besucherinnen und Besuchern an?

Noch eine virtuelle Messe?

Die Coronakrise bot für den FFI-Verlag erstmals den Anreiz, über die Organisation einer virtuellen Messe nachzudenken. Gesagt, getan: Im Mai wurde die Aussteller-Messe Kanzlei-Expo veranstaltet. Trotz positiver Resonanz fehlte einigen Besucherinnen und Besuchern hier die Möglichkeit, Vorträge zu besuchen und virtuell zu „netzwerken“. Und im Dschungel der Online-Messe-Veranstalter müssen Anwältinnen und Anwälte schließlich gute Gründe haben, die Mandatsarbeit für ein paar Stunden beiseite zu legen.

Doch der FFI-Verlag vertraute auf ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal der nächsten Messe: Einzig und alleine die Zielgruppe sollte über das Programm, die Dauer der Veranstaltung und der Vorträge entscheiden. Dazu wurde im Vorfeld der MkG-Expo eine Umfrage unter jungen Anwältinnen und Anwälten gestartet. Im Anschluss machte man sich auf die Suche nach geeigneten Referentinnen und Referenten zu den gewünschten Vortragsthemen. So entstand ein Mix aus Vorträgen, Pitches, Besucherausstellung und Gewinnspielen.

Tag 1 der Expo: Kanzleimanagement, RVG und Marketing

Den Auftakt am 10. November machte Dipl. Kauffrau Jasmin Isphording,  Gründerin und Inhaberin der Kanzleiberatung Jasis Consulting. Sie vermittelte anschaulich, wie Anwältinnen und Anwälte, die sich von Arbeit überwältigt fühlen, die Dauer, Bearbeitungszeit und Kosten eines Mandats strategisch reduzieren können. Dabei betonte sie, dass immer individuell abgewogen werden müsse, welchen Stellenwert Zeit (Freizeit) und Geld (Arbeitszeit) haben sollten. Resonanz einer Teilnehmerin: „Auch für bereits tätige Rechtsanwälte war dieser Vortrag sehr bereichernd.“

Während der Vorträge hatten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Fragen im Chat zu stellen – wer Lust hatte, konnte sich zudem im Anschluss in einem Videochat mit den Referenten austauschen. Das virtuelle Networking wurde durch die Plattform Wonder ermöglicht.

Richtig abrechnen ab 2021

Es folgte der Vortrag von Gebühren- und Abrechnungsexperte Norbert Schneider. Das Thema: Die lang erwartete RVG-Reform, die voraussichtlich ab dem 01.01.2021 in Kraft treten soll. Welche Änderungen des Kostenrechtsänderungsgesetz 2021 (KostRÄG 2021) für Anwältinnen und Anwälte besonders relevant sind und welche Übergangsregelungen gelten, machte RA Schneider mithilfe einiger Beispielrechnungen deutlich. Generell kann im Zuge des KostRÄG 2021 mit einer Erhöhung der Gebühren und Gerichtskosten um ca. zehn Prozent gerechnet werden. Eine Erhöhung der Tage- und Abwesenheitsgelder, aber auch die Anhebung der Fahrtkosten (von 0,30 € auf 0,42 €) ist zudem vorgesehen.

Resonanz zum RVG-Vortrag von Norbert Schneider: „Der Vortrag war sehr informativ und selbst ich, der die Abrechnungen im RVG der Bürovorsteherin überlässt, konnte den Ausführungen gut folgen.“

Kanzleimarketing: Sichtbar werden, überzeugen, vernetzen

Am Nachmittag ging es weiter mit einem Vortrag von Rechtsanwältin und Inhaberin von anwalts.marketing Pia Löffler, die anschaulich vermitteln konnte, wie zahlreich die Möglichkeiten im Kanzleimarketing sind – Google My Business, die Wahl des Domainnamens, ein eigener Blog auf der Kanzleiwebsite – mit denen die Sichtbarkeit von Anwält*innen erhöht werden kann – und so die Chancen auf Mandatsanfragen steigen. Die Resonanz der Teilnehmer*innen: „Voller Praxisbeispiele“ und: „Ich werde meine Website nun mit anderen Augen sehen.“

Tag 2: Legal Tech und Verhandlungsgeschick

Den zweiten Tag der MkG-Expo läutete Rechtsanwalt und Robotiker Tianyu Yuan mit einem Legal Tech-Crashkurs ein. Hier wurde zunächst anhand einer kleinen Presseschau mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Legal Tech eine Bedrohung für die Anwaltschaft sei (LTO 2018, Anwalt­schaft böse unter Druck) und gleichzeitig hervorgehoben, dass ein Hinauszögern der Digitalisierung zu Phänomenen wie einer 650.000-seitigen Klageschrift führen könne.

Yuan erläuterte dann das Potenzial einzelner Legal Tech-Bereiche: Legal Tech für Nicht-Juristen (Rechtsprodukte für Verbraucher), Legal Tech für Juristen (Prozessautomatisierung) und Legal Tech-Intermediäre, also Marktplätze, auf denen Rechtssuchende mit einer Anwältin oder einem Anwalt in Kontakt treten können. Alle drei Bereiche bieten Chancen, beispielsweise durch die Reduzierung von Mandaten, die ohnehin wenig Umsatz einbringen, oder durch eine Effizienzsteigerung im Zuge einer Prozessautomatisierung. Resonanz einer Teilnehmerin: „Ein sehr guter Vortrag. Es gab viele Anregungen, welche gut umsetzbar sind. Die Vortragszeit verging wie im Fluge, gern mehr.“

Beim Verhandeln zählt vor allem Vorbereitung, nicht Erfahrung

Dr. René A. Pfromm machte in seinem Vortrag zum Thema „Professionell Verhandeln – Strategien und Taktiken für JungjuristInnen“ klar, dass eine Anwältin bzw. ein Anwalt noch so großes Talent und Fachwissen in der Juristerei haben kann – wenn sie oder er die eigenen Interessen in Verhandlungen nur mittelmäßig durchsetzen kann, wird das volle Potenzial der Person niemals ausgeschöpft. Den zahlreichen Seminarteilnehmer*innen vermittelte Pfromm nach diesem aufrüttelnden Einstieg die häufigsten Verhandlungsfehler.

Dazu gehören u. a. eine schlechte Vorbereitung oder Fehlannahmen seitens der Gegenpartei. Um sich eine gute Verhandlungsstrategie zu erarbeiten, sei es außerdem wichtig, zu verstehen, dass Verhandlungen grundsätzlich nicht von Fakten, sondern von subjektiver Wahrnehmung geprägt werden. Wer als Berufsanfänger*in mit „alten Hasen“ verhandelt, solle deshalb keine Gedanken daran verschwenden, welche Vorteile die Gegenseite durch Berufserfahrungen haben könnte. „Wenn man gut vorbereitet in eine Verhandlung geht, spielt das Alter keine Rolle“, so Dr. Pfromm. Nicht zuletzt sei Empathie für die Interessen der Gegenseite ebenfalls wichtig, um ein für alle Parteien bestmögliches Verhandlungsergebnis zu erreichen. Ratsam ist es dennoch, nicht zu schnell nachzugeben, wenn man seine Interessen durchsetzen möchte. Die Resonanz des virtuellen Publikums fiel positiv aus: „Der Vortrag war sehr praxisrelevant und sehr gut verständlich. Vielen Dank“, so das Feedback einer Teilnehmerin auf anwaltswebinare.de.

Im Anschluss an die Vorträge wurde der Preis für die „Kanzleiwebsite des Jahres“ vergeben. Den 1. Preis für den im Vorfeld stattgefundenen Wettbewerb gewann die Kanzlei meyer.Rechtsanwälte aus München.

Fazit: Praxisbezug der Vorträge und Design der Expo punkten bei Besucher*innen

Die Darstellung der Messe wurde von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Messe positiv aufgenommen und begeisterte auch die Aussteller. Das Feedback: „Die Messehalle ist sehr schick und bietet eine gute Übersicht“.

Online-Format ermöglicht lokale Unabhängigkeit auch für Einzelanwält*innen

Auch das Format der neuen Messe bot insbesondere für Anwält*innen in Randgebieten Deutschlands eine praktische Alternative zu Präsenzveranstaltungen, bei denen der lange Anfahrtsweg häufig nicht in Kauf genommen wird – so die Rückmeldung einer Teilnehmerin:

„Die in kürzester Zeit gesammelten Informationen sind nicht nur für Junganwälte eine wahre Fundgrube. […] Behalten Sie dieses Format unbedingt bei, sonst haben wir Einzelanwälte in den Randbereichen von Deutschland keine Chance solche Events zu erleben.“

Insbesondere der Praxisbezug der Vorträge und die Kompetenz der Referent*innen wurden im Feedback der Besucherinnen und Besucher hervorgehoben. Auch das Konzept, potenzielle Besucherinnen und Besucher nach ihren eigenen Wünschen und Präferenzen zu befragen, hat sich ausgezahlt.

Mit der MkG-Expo haben sich die Erfolgsfaktoren des MkG-Fachinfo-Dienstes noch einmal bestätigt: Praxisbezug und dauerhafte Lesernähe.

Die Handouts der Vorträge sind hier zum Download verfügbar.

Bild: FFI-Verlag

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