Im Jurastudium wird das Kartellrecht eher am Rande behandelt. Dabei spielen Kartelle, Monopole und Oligopolstrukturen in unserem Alltag eine bedeutendere Rolle, als wir oft denken. Zum Beispiel, wenn wir uns beim Gang durch den Supermarkt über die steigenden Lebensmittelpreise ärgern. Oft denken wir dabei nur an die Inflation – und nicht daran, dass hierzulande wenige große Handelsketten aufgrund ihres dominierenden Marktanteils höhere Preise leichter durchsetzen können. Wer sich dafür interessiert, wo Wettbewerb aufhört und Marktmissbrauch beginnt oder wie sich Marktstrukturen auf Preise, Versorgung und Lieferantenbeziehungen auswirken, findet in diesem Beitrag einen Überblick über spezialisierte Studiengänge im Kartell- und Wettbewerbsrecht.
Universität Mannheim: Wettbewerbs- und Regulierungsrecht (LL. M.)
Wettbewerbs- und Regulierungsrecht gewinnen durch Energie-, Medien- und Digitalmärkte zunehmend an Bedeutung und erfordern juristische sowie ökonomische Kenntnisse. Das zweijährige Masterprogramm der Universität Mannheim vermittelt beides praxisnah durch eine fundierte Ausbildung im öffentlichen Recht, Vertiefungen im Wettbewerbsrecht und ökonomische Methoden sowie Wahlbereiche zur Digitalen Wirtschaft oder Energiewirtschaft. Pflichtpraktikum, Lehrveranstaltungen mit Branchenexpertinnen und -experten und interdisziplinäre Forschungsprojekte bereiten gezielt auf Tätigkeiten in regulierten Industrien, Behörden oder international ausgerichteten Organisationen vor.
Dauer: 4 Semester
Voraussetzungen: Der Studiengang ist nicht zulassungsbeschränkt. Zu den Voraussetzungen gehören jedoch:
- ein abgeschlossenes Studium in einem rechtswissenschaftlichen Studiengang oder in einem von der Auswahlkommission als gleichwertig anerkannten Studiengang mit einem rechtswissenschaftlichen Anteil von mindestens 30 ECTS-Punkten an einer in- oder ausländischen Hochschule (auch Berufsakademie) von insgesamt mindestens 180 ECTS oder mindestens drei Jahre Regelstudienzeit
- Nachweis über gute englische Sprachkenntnisse und deutsche Sprachkenntnisse
Kosten: Semesterbeitrag
Weitere Informationen: jura.uni-mannheim.de/studium/erstsemesterinfos/wettbewerbs-und-regulierungsrecht/
Freie Universität Berlin: Europäisches und Internationales Wirtschafts-, Wettbewerbs‐ und Regulierungsrecht (LL. M.)
Der einjährige MBL (LL. M.) der Freien Universität Berlin vermittelt vertiefte Kenntnisse im europäischen und internationalen Wettbewerbs- und Regulierungsrecht und richtet sich an juristische und wirtschaftswissenschaftliche Fachkräfte aus dem In- und Ausland. Renommierte Dozierende aus Wissenschaft, Behörden und internationalen Kanzleien vermitteln ein breites Themenspektrum von theoretischen Grundlagen über internationales Kartellrecht bis hin zu geistigem Eigentum und digitalen Wirtschaftsfragen. Der Studiengang umfasst sieben Module, wird überwiegend freitags und samstags unterrichtet, durch Online-Einheiten ergänzt und vollständig in englischer Sprache durchgeführt.
Dauer: 2 Semester
Voraussetzungen: Zu den Voraussetzungen gehören:
- Ein Abschluss, vorzugsweise eines rechtswissenschaftlichen Studiums, insbesondere auch aus dem Ausland, der der ersten juristischen Staatsprüfung oder der ersten juristischen Prüfung im Sinne des Deutschen Richtergesetzes (DRiG) entspricht.
- Eine an den berufsqualifizierenden Hochschulabschluss anschließende einschlägige berufspraktische Erfahrung von in der Regel nicht unter einem Jahr.
- Englischkenntnisse (Niveaustufe C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER))
Kosten: Derzeit 4.750 Euro pro Semester, insgesamt 9.500 Euro, zuzüglich der allgemeinen Semestergebühren und -beiträge.
Weitere Informationen: fu-berlin.de/studium/studienangebot/master/mbl_rechtswissenschaftlicher_master/index.html
Universität von Amsterdam: European Competition Law and Regulation (LL. M.)
Im einjährigen Masterstudiengang in European Competition Law and Regulation an der University of Amsterdam können Studierende ihr Wissen im europäischen und internationalen Kartell-, Wettbewerbs- und Regulierungsrecht vertiefen. Ein interdisziplinäres Dozierendenteam aus Wissenschaft sowie Behörden wie der Europäischen Kommission und internationalen Kanzleien vermittelt ein breites Spektrum von kartellrechtlichen Grundlagen über Marktmissbrauch und Fusionskontrolle bis hin zu Plattformregulierung, Datenschutz und Künstlicher Intelligenz. Der Studiengang ist vollständig englischsprachig, umfasst praxisnahe Fallstudien, Moot Courts und Policy-Analysen und bereitet gezielt auf Tätigkeiten in Wettbewerbsbehörden, Regulierungsinstitutionen und spezialisierten Kanzleien vor.
Dauer: ein Jahr
Voraussetzungen: Zu den Voraussetzungen gehören neben (mindestens) einem Bachelorabschluss der Nachweis sehr guter Englischkenntnisse. Interessierte können im Zuge eines Eligibility quick-scans prüfen, ob sie die Voraussetzungen erfüllen.
Kosten: Die jährliche Studiengebühr in den Niederlanden liegt derzeit für Vollzeitstudierende bei 2.695 Euro.
Weitere Informationen: uva.nl/shared-content/programmas/en/masters/international-and-european-law-european-competition-law-and-regulation/
Brussels School of Competition: Competition Law (LL. M.)
Der einjährige LL. M.-Track Competition Law & Economics des Brussels Study Center richtet sich an juristische sowie wirtschaftswissenschaftliche Fachkräfte, die ihre Expertise im europäischen- und internationalen Wettbewerbs- bzw. Kartellrecht vertiefen möchten. Vermittelt werden tiefgehende Kenntnisse u. a. in den Bereichen Kartelle, Missbrauch marktbeherrschender Stellung, Fusionskontrolle, Beihilfen- und Regulierungsrecht sowie Ökonomie der Wettbewerbsrechtsprechung — gelehrt von erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern aus Behörden, Beratung und Wirtschaft. Das Programm wird in englischer Sprache durchgeführt, setzt auf eine modulare Struktur mit praktischen Seminaren und ermöglicht berufsbegleitendes bzw. hybrides Studium (Präsenz in Brüssel + Online-Einheiten).
Dauer: ein Jahr
Voraussetzungen: Interessierte müssen einen Masterabschluss in Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften oder Management vorweisen können. Alternativ können sie einen Masterabschluss in einem anderen Fachbereich vorweisen und ausreichende juristische Fachkenntnisse nachweisen (z. B. durch mindestens fünf Jahre Berufserfahrung oder eine Zusatzausbildung im Bereich Rechtswissenschaften).
Kosten: Die Gesamtgebühr für das Programm beträgt ca. 6.500 Euro.
Weitere Informationen: bsc-brussels.eu/competition-law/
University of the Western Cape (Südafrika): Competition Law & Policy
(LL. M.)
Dieses Programm ist interessant für diejenigen, die sich eine Tätigkeit in internationalen Organisationen oder im Entwicklungssektor vorstellen können. Es vermittelt die Grundlagen des Wettbewerbsrechts und der Wettbewerbspolitik in verschiedenen Rechtsräumen weltweit, insbesondere in Südafrika, den USA und der Europäischen Union. Im Mittelpunkt stehen die Rolle von Märkten und das Wettbewerbsrecht für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Gruppen sowie die Frage, wie sich gesamtwirtschaftliche Effizienz, Industriepolitik und soziale Gerechtigkeit miteinander vereinbaren lassen. Zudem werden Spannungsfelder zwischen Gemeinwohl und nationalen Interessen sowie zwischen staatlicher Regulierungshoheit und der Pflicht, keinen grenzüberschreitenden Schaden zu verursachen, kritisch analysiert.
Dauer: ein Jahr
Voraussetzungen: Der LL. M. steht auch internationalen Bewerberinnen und Bewerbern offen. Voraussetzung ist ein rechtswissenschaftlicher Erstabschluss; zusätzliche Nachweise wie Transcript, Lebenslauf und ggf. Sprach- oder Arbeitsproben sind erforderlich.
Kosten: Gesamtkosten für Mode I (Forschungsorientierter LL. M. mit großem Thesis-Anteil, Masterarbeit als zentraler Bestandteil): Ca. 6.000 Euro. Gesamtkosten für Mode II (Kursbasierter LL. M. mit mehreren Modulen/Kursen + kürzerer Thesis/Research Paper): Ca. 3.900 Euro.
Alle internationalen Studierenden (außerhalb Afrikas) müssen die gesamten Studiengebühren und Wohnheimgebühren im Voraus für jedes Jahr ihrer Immatrikulation bezahlen. Mehr Informationen zur Kostenstruktur finden Interessierte hier.
Weitere Informationen: law.uct.ac.za/department-commercial-law/education-masters-law-masters-courses/competition-law-llm
Jasmin Kröner ist beim FFI-Verlag in den Bereichen Produktmanagement und Redaktion tätig.







