Die Digitalisierung verändert nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Art und Weise, wie wir wahrgenommen werden. Insbesondere für Anwältinnen und Anwälte am Anfang ihrer Karriere ist es heute wichtiger denn je, sich gezielt sichtbar zu machen – sowohl digital (etwa auf LinkedIn) als auch analog (durch regelmäßige Publikations- bzw. Vortragstätigkeit). Künstliche Intelligenz (KI) bietet dafür viele neue Möglichkeiten. Doch bei aller Automatisierung bleibt eines zentral: Ihre persönliche Note. Denn Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Wirkung entstehen nicht durch Tools – sondern durch die Verbindung dieser mit Menschen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie KI sinnvoll für Ihr Personal Branding einsetzen, ohne Ihre Authentizität zu verlieren. Drei zentrale Erfolgshebel helfen Ihnen dabei, sich als Juristin bzw. Jurist mit ihrem Know-how nachhaltig und zugleich empathisch zu positionieren.
Zwischen Technologie und Vertrauen: Worauf es beim Personal Branding heute ankommt
LinkedIn, Legal Tech, Netzwerkevents – die Möglichkeiten, sich als Expertin oder Experte zu positionieren, sind heute vielfältiger denn je. Gleichzeitig wird die digitale Bühne gefühlt immer voller. KI-gestützte Tools wie
- ChatGPT,
- Gemini,
- Gamma oder
- Writesonic
generieren in Sekunden Inhalte, analysieren Reichweiten und liefern Optimierungsvorschläge für Ihre Sichtbarkeit. Doch was KI nicht kann, ist das, womit Sie den Unterschied machen – und gleichzeitig das, was Sie eben solchen Tools als Grundlage zum Generieren Ihrer Inhalte mitgeben können: Menschlichkeit, Haltung und Ihre Werte.
Personal Branding ist kein Selbstzweck. Es geht beim Personal Branding nicht darum, ein möglichst großes Netzwerk auf LinkedIn zu haben oder sich in den Beiträgen perfekt zu inszenieren. Ihr Ziel sollte es sein, mit Substanz und als Persönlichkeit aufzufallen – mit klarer Positionierung, relevanten Themen und einer Sprache, die ihr Gegenüber anspricht, statt dieses nur zu informieren.
Wer als Anwältin oder Anwalt langfristig sichtbar sein und anerkannt werden will, muss mehr tun als das LinkedIn-Profil aufzuhübschen. Welche Erfolgshebel Sie dabei unterstützen, erfahren Sie jetzt.
Zwischen Technik und Persönlichkeit: Drei Erfolgsfaktoren für Ihr authentisches Personal Branding
Erfolgshebel 1: Eine klare, unverwechselbare Positionierung
Ihre Expertise allein ist schon lange kein Freifahrtschein mehr für die Akquise von Mandaten oder das berufliche Vorankommen. Entscheidend ist, wie Sie Ihre Kompetenzen kommunizieren: mit Klarheit, Persönlichkeit und Wiedererkennungswert.
Wer sind Sie – fachlich und als Person? Für welche Rechts- bzw. Sachthemen stehen Sie? Und wie möchten Sie als Anwaltspersönlichkeit von Ihren Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten und der Mandantschaft wahrgenommen werden?
Diese Fragen stehen am Anfang jedes professionellen Personal Brandings. Je besser Sie Ihre Expertise, persönlichen Qualitäten sowie (mitunter auch intrinsischen) Motive kennen, desto gezielter können Sie sich auf Plattformen wie LinkedIn positionieren.
Dabei kann KI eine sinnvolle Unterstützung sein: Sie analysiert Trends, schlägt Themen vor und hilft bei der Struktur bzw. der Erstellung von Inhalten. Doch den entscheidenden Feinschliff, die Tonalität und die persönliche Relevanz – die bringen jedoch nur Sie ein – gerade, wenn Sie beginnen, KI-Tools zu nutzen. Mit der Zeit können einige Tools aber auch dazulernen, sodass sie beispielsweise beim Generieren von Inhalten immer besser darin werden, Ihre Tonalität nachzuahmen.
Stellen Sie sich klar auf: Entwickeln Sie ein Profil, das nicht austauschbar wirkt, sondern zeigt, was Sie als Anwältin und Anwalt besonders macht. Und aktualisieren Sie dieses Profil regelmäßig. Denn Personal Branding ist ebenso wie das im folgenden Abschnitt angesprochene Marketing in eigener Sache keine Einmalaktion, sondern ein fortlaufender Prozess.
Erfolgshebel 2: Selbstmarketing mit Haltung – nicht mit Lautstärke
Gerade als junge Anwältin oder junger Anwalt ist es wichtig, sichtbar zu sein – aber bitte nicht um jeden Preis. KI kann Ihnen dabei helfen, herauszufinden, welche Inhalte funktionieren – doch Sie als Mensch geben diesen ihre Bedeutung.
Sichtbarkeit entsteht nicht durch Zufall, sondern durch Strategie. Wer gesehen und gehört werden will, sollte bereit sein, regelmäßig relevante Inhalte zu teilen. Dies gilt digital (wie bspw. auf LinkedIn) ebenso wie analog (wie bspw. durch Vorträge bzw. Publikationen).
Hier kann KI unterstützen: Sie liefert beispielsweise Erkenntnisse darüber, welche Themen Ihre Zielgruppe interessieren oder zu welcher Uhrzeit Ihre Posts die größte Reichweite erzielen.
Doch Sichtbarkeit darf kein Selbstzweck werden. Viel wichtiger ist die Authentizität Ihrer Botschaften und ihr Bezug zu den Personen, die sie erreichen wollen. Welche Rechtsfragen treiben Ihre Mandantschaft um? Welche Perspektiven bringen Sie ein? Welche Haltung vertreten Sie? Nur wenn Ihre Kommunikation glaubwürdig ist, können Sie Vertrauen aufbauen – und damit langfristige Beziehungen zu bestehenden ebenso wie potenziellen Mandantinnen und Mandanten, Ihren (Fach-)Kolleginnen oder zukünftigen Arbeitgebenden entwickeln.
Erfolgshebel 3: Netzwerken mit Empathie – online und offline
Der Aufbau eines relevanten Netzwerks ist einer der stärksten Hebel für Ihre berufliche Entwicklung. Doch Networking nachhaltig verstanden ist mehr als das Sammeln von Kontakten. Es geht um Begegnung, Austausch und gegenseitige Unterstützung.
In Zeiten, in denen vieles automatisiert ist, wirkt Empathie umso stärker. Werden Sie persönlich: Zeigen Sie Haltung, hören Sie zu, teilen Sie Erfahrungen. Wann immer es passt, erzählen Sie auch Ihre eigene Geschichte. Gerade diese machen Sie nahbar, erlebbar, greifbar und – was enorm wichtig ist – diese schafft Vertrauen.
Genau das ist der Unterschied zu KI-generierten Inhalten. Denn die Menschen, die von Ihnen gelesen, gehört oder mit Ihnen gesprochen haben, erinnern sich meist nicht an bestimmte Worte – sondern an Gefühle, an Erlebnisse, an Begegnungen, die sie mit Ihnen verbinden.
Auch bei Präsenzveranstaltungen – etwa bei Fachkonferenzen oder Netzwerkveranstaltungen – gilt: Bringen Sie sich ein, gehen Sie ins Gespräch, stellen Sie Fragen. Kurzum: interessieren Sie sich für Ihr Gegenüber. Netzwerken ist keine Einbahnstraße, sondern lebt von gegenseitiger Offenheit und echtem Interesse.
Ihre Persönlichkeit ist Ihr stärkstes Kapital
KI ist gekommen, um zu bleiben – auch in der juristischen Welt. Sie wird Prozesse beschleunigen, Inhalte vorschlagen und Entscheidungen vorbereiten. Doch eines bleibt exklusiv menschlich und damit allein Ihnen vorbehalten: Empathie, Haltung und persönliche Verbindungen.
Gerade für Nachwuchsjuristinnen und -juristen liegt hierin ein enormer Vorteil. Sie können die heutigen Technologien nutzen, um eine entsprechende Sichtbarkeit und Reichweite aufzubauen sowie Ihr Netzwerk strategisch zu erweitern – und dabei authentisch bleiben.
Nutzen Sie KI als Werkzeug – und das nicht nur im juristischen Alltag, sondern auch für Ihr Personal Branding. Überlassen Sie ihr allerdings nicht die Regie! Entwickeln Sie ein klares Profil, zeigen Sie Haltung, und treten Sie mit anderen immer wieder in den Dialog – digital wie analog.
Der Tipp zum Schluss:
Wenn Sie sich jetzt fragen, wie Sie konkret starten sollen: Beginnen Sie mit kleinen, regelmäßigen Schritten. Stellen Sie Ihr LinkedIn-Profil professionell auf, teilen Sie Ihre Perspektiven, und vernetzen Sie sich mit Menschen, die Sie inspirieren bzw. mit Ihren Inhalten interagieren. Denn Sichtbarkeit entsteht nicht über Nacht – aber sie beginnt mit dem ersten Schritt.
Dr. Anja Schäfer ist Anwältin und Expertin für Networking & Female Leadership in Kanzleien. Als Karriere-Coach unterstützt sie exklusiv Juristinnen dabei, durch Personal Branding und Networking ihre Karriereziele zu erreichen und als Expertin sichtbar, bekannt und anerkannt zu werden. Sie ist Host vom „Juristinnen machen Karriere! Podcast“ und veranstaltet regelmäßig Networking-Events für Juristinnen, nicht nur digital, sondern auch deutschlandweit vor Ort mit ihrem After-Work-Format.









