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Von Nicole Zimmermann

Ihr Leben als Anwältin oder Anwalt kann wundervoll sein. Mal abgesehen von Eilverfahren, Fristsachen, dilettantischen Richtern, bornierten Mandantinnen, unangekündigten Telefonaten, kompromisslosen Anwaltskollegen und den nervigen Abrechnungen. Und um dem allem dann noch das sprichwörtliche Krönchen aufzusetzen, gibt es ja noch das anstrengende Kanzleipersonal.   

Das sage ich mit einem Augenzwinkern – bevor Sie weiterlesen: Im Regelfall haben Sie Ihr Kanzleiteam eingestellt. In jedem Fall haben Sie eine Entscheidung getroffen, mit eben genau diesen Personen zusammenzuarbeiten. Vielleicht aus mangelnden Alternativen (Fachkräftemangel), vielleicht aus alter Verbundenheit (Kanzleiübernahme) oder aus anderen Gründen. Am Ende sind Sie verantwortlich für den Erfolg Ihrer Kanzlei – nun dürfen Sie noch entscheiden ob das eine „One-Man-Show“ ist, oder ob es für Sie klug sein kann, die Last der Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.

Was Sie ebenfalls frei entscheiden können ist, ob Sie in strengen Hierarchien denken, oder eine innovative, zukunftsgerichtete und entlastete Führungskraft sein möchten, welche in einem vertrauensvollen, und aufrichtigen Umfeld dauerhaft motiviert ihrem Job nachgeht.

Ein persönlicher Exkurs: Wie Teambuilding nicht funktionieren kann

Ein kleiner Exkurs in meine eigene Studienzeit sei an dieser Stelle – weil passend – erlaubt. Als junge Studentin war ich auf die Erträge aus Nebenjobs angewiesen. Meine Eltern haben mich angemessen finanziell unterstützt, allerdings waren meine Ansprüche höher als die Zuwendungen meiner Eltern. So habe ich mir einen lukrativen Job in einem inhabergeführten, mittelständischen Unternehmen gesucht. Ich sollte in der Buchhaltung unterstützen. Zahlen waren immer mein Ding und so ging es zwei Tage nach einem kurzen Bewerbungsgespräch mit der Abteilungsleiterin los. Nach zwei Wochen Einarbeitung wollte der Chef mich persönlich kennenlernen. Die Abteilungsleiterin beruhigte mich und riet mir zu Gelassenheit und Ruhe, egal was passieren werde. Ich wurde also zu ihm gerufen und nach einem Klopfen an seiner Tür bat er mich herein. Ich ging etwas scheu in sein Zimmer und der Chef blieb bräsig hinter seinem übergroßen Schreibtisch sitzen. Kein „Guten Tag“, kein Lächeln und sehr viel Gleichgültigkeit. Ich blieb stehen, ließ mich mustern und das Erste, was er zu mir sagte war: „Nicole, wissen Sie warum die Türklinken an meiner Bürotür immer feucht sind?“ Ohne meine Antwort abzuwarten, sprach er weiter: „Von außen ist es Angstschweiß und von innen sind es Tränen!“ Er bat mir keinen Sitzplatz an, und entließ mich nach diesem Satz, und ein wenig weiterem Geplänkel relativ schnell wieder an meinen Schreibtisch. Er wünschte mir dabei noch: „Alles Gute!“

Ich hatte wenig Wahl und der Job war gut bezahlt. Also blieb ich. Eines war allerdings klar: Er und ich würden niemals ein gutes Team werden. Für mich war klar, dass wir auch kein schlechtes Team werden würden. Wir würden einfach kein Team werden! Natürlich habe ich im Anschluss über diese Begegnung mit meinen Kolleginnen gesprochen, welche mir von ähnlichen Erlebnissen berichteten. Diese hatten nach langer Erfahrung auch eine ganz eigenwillige Lösung für mich parat. Die Chefin der Buchhaltung offenbarte mir, dass es in der Firma eine befriedigende Art der Revanche gibt: „Jedes Mal, wenn er um einen Kaffee bittet, spuckt eine von uns ihm in die Tasse …“

Was bedeutet gute Teamarbeit?

Ihr Wettbewerbsvorteil ergibt sich nicht aus strategischer Planung, neuester Technik oder fachlichem Wissen. Einzig und allein die persönliche Kompetenz in der Teamarbeit entscheidet anhaltend über wahrhaftigen Erfolg oder eigens verschuldeten Misserfolg. Teamarbeit in Kanzleien hat leider auch in der heutigen Zeit noch immer Seltenheitswert. Rechtsanwaltsfachangestellte klagen über veraltetes Hierarchiedenken, eine Zweiklassengesellschaft, wenig Verständnis und noch weniger Vertrauen. Dabei hat Teamplaying die größte Wirksamkeit bei der Mitarbeiterfindung und -haltung, auf die Effizienz von Prozessen und den Erfolg eines Unternehmers. Wenn es Ihnen gelingt, dass alle Mitarbeitenden gemeinsam die Segel setzen, die Steuer in die richtige Position bringen und den richtigen Kurs halten – dann ist es auch keine Herausforderung mehr, wenn mal kein Wind geht und Flaute herrscht. Denn dann wird gemeinsam gerudert! Und Sie als Steuermann oder Steuerfrau nehmen bitte auch zwischendurch ein Paddel in die Hand, damit Sie gemeinsam ins Schwitzen kommen.    

Teamwork bedeutet, dass mehrere Personen zusammen an Aufgaben arbeiten. Jede bringt unterschiedliche Fähigkeiten mit und ihre jeweiligen Stärken ein. Schwächen werden so nach außen weniger sichtbar. Und obgleich jeder und jede Einzelne spezielle Rollen ausfüllt oder Teilaufgaben übernimmt, sind alle gemeinsam für den Erfolg verantwortlich.

Vier Impulse für gelungene Teamarbeit

Bei Ihnen als Kanzlei-Führungskraft bedarf es lediglich der klaren Definition von Zuständigkeiten, was allerdings voraussetzt, dass Sie verständlich kommunizieren und es Ihnen gelingt, Ihrem Team zu vertrauen. Ich gebe Ihnen in diesem Beitrag vier Impulse an die Hand, die das Thema „Teamarbeit“ für sie greifbarer machen und welche Sie konkret im Kanzleialltag nutzen können.  

MKG-Magazin: Krankheit oder Täuschung?

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1. Impuls: Vertrauen Sie Ihrem Team – aber nicht auf der Basis vergangener Leistungen

Schenken Sie sich selbst Vertrauen? Wenn Sie jetzt, ohne zu überlegen und sofort mit JA geantwortet haben, dann erkennen Sie bitte an, dass wir lediglich subjektiv davon überzeugt sein können, dass das Handeln und die Aussagen einer Person richtig und wahr sind. Wissen können wir es letztlich nicht. Und genauso subjektiv ist letzten Endes auch das Vertrauen in uns selbst, weil Vertrauen eben immer auch situationsabhängig ist.

Am ehesten können wir uns und unserem Umfeld blind vertrauen, wenn wir uns gemeinsam in einer guten Umgebung befinden. Im Sinne von: sich selbst sicher sein und sich wohl fühlen. So ist es also Teil Ihrer Aufgabe als Führungskraft in Ihrer Kanzlei, eine Art Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Dies bezieht sich im gleichen Maß auf die Ausgestaltung der jeweiligen Arbeitsplätze als auch auf die aufrichtige Kommunikation.

Wenn Sie jetzt glauben, dass Sie Ihrer Mitarbeiterin grundsätzlich vertrauen können, weil diese in der Vergangenheit immer gute Arbeit abgeliefert hat, dann ist dies leider nicht die Art von Vertrauen, von der ich schreibe und die ein gutes Team auszeichnet.

Ein aufrichtiges Vertrauen im Team erfordert Aufgeschlossenheit gegenüber jedem Teammitglied und die Sicherheit, dass diese Aufgeschlossenheit nicht an anderer Stelle gegen mich verwendet wird. Hier geht es sowohl um Stärken als auch um Schwächen. Um Menschliches und Fachliches. In einem wirklichen Team stützt sich das wahre Vertrauen darüber hinaus auf die Sicherheit, dass die Ideen eines jeden Teammitglieds positiv ausgerichtet sind, sich am gemeinschaftlichen Ziel orientieren und kein Grund zu Vorsicht und Zurückhaltung besteht. Die Bedingung hierfür ist, dass ich mich sicher fühle, wenn ich mit meinen Teammitgliedern offen umgehe. 

Mitglieder eines Teams, in welchem vertrauensvoll gearbeitet wird, bitten sich gegenseitig um Unterstützung, geben Fehler zu und verzeihen, ohne abzuwägen.

Und über genau dieses Vertrauen kommen wir zum zweiten Impuls.

2. Impuls: Wachsen Sie durch Konflikte zusammen – aber ohne Schuldzuweisungen

Konstruktive Diskussionen lassen zwischenmenschliche Beziehungen zu dauerhaften, gewinnbringenden Symbiosen werden. Je mehr wir miteinander erleben und voneinander lernen, umso enger wachsen wir zusammen. Das gilt im Beruflichen gleichermaßen wie im Privaten. Was wir uns allerdings im Privaten wünschen, lassen wir im Beruflichen oft nicht zu. Und je gegensätzlicher Teammitglieder sind, desto mehr lässt sich voneinander profitieren. Leider werden Konflikte oftmals vermieden oder gar tabuisiert. Oft wird sogar mehr Zeit dafür aufgebracht, ein gewinnbringendes Gespräch oder Meeting zu vermeiden, anstatt es zuzulassen. „Dafür haben wir keine Zeit.“ Und – es kann ja wohl nicht angehen, dass die ReFa den Anwalt kritisiert. 

Seit Jahren sind die Ausbildungszahlen bei ReFas rückläufig. Ein Grund ist sicherlich, dass der Teamgedanke und das Miteinander in vielen Kanzleien eine eher untergeordnete Rolle spielen. Im schlimmsten Fall soll die ReFa Aufträge abarbeiten ohne zu hinterfragen, freundlich nervige Mandantinnen und Mandanten am Telefon abwimmeln und – Kaffee kochen. Langfristig bereitet solch eine „Beziehung“ niemandem Freude. Und Freude ist letztlich immer ein Garant für gute Leistung.

Destruktiver Streit oder gar Schuldzuweisungen helfen niemandem, am wenigsten dem Unternehmen Kanzlei. Es soll immer darum gehen, in kürzester Zeit die bestmögliche Lösung zu finden. Ein gesunder Konflikt mit einer Lösung am Ende spart uns Zeit. Wenn wir den Konflikt scheuen und mit diesem Verhalten keine Lösung finden, wird dasselbe Thema immer und immer wieder „hintenrum“ besprochen. Das ist keine Lösung!  

Mitglieder eines Teams, in welchem Konflikte offen angesprochen werden, um gemeinsam Lösungsansätze zu finden, freuen sich auf lebhafte Meetings, sprechen miteinander und nicht übereinander und lassen jede Meinung zu.

3. Impuls: Klare Kommunikation führt zu mehr Eigenverantwortung

Jedes erfolgreiche Unternehmen hat festgelegt, was in einem bestimmten zeitlichen Rahmen, mit den anwesenden Mitarbeitenden zu schaffen ist. Im ersten Schritt unabhängig vom Gewinn.

Der Gewinn ist bei der Zielerreichung der messbare Maßstab. Allerdings erziele ich keinen Gewinn, wenn die Zwischenziele oder das finale Ziel nicht erreicht werden. Wenn ich als Teammitglied allerdings nicht weiß, welche Ziele in meiner Kanzlei verfolgt werden, wie soll ich mich dann mit meinen Fähigkeiten und Fertigkeiten in das Gesamtteam einbringen? 

Bei der Bekanntgabe des nächsten Ziels ist es hilfreich, wenn am anderen Ende jemand zuhört. Sind Sie sich bei der Kommunikation einzelner Ziele denn immer sicher, dass Ihr Gegenüber Sie auch verstanden hat? Gutes Zuhören signalisieren wir, z. B. durch Blickkontakt oder eigenständige Nachfragen, wenn wir etwas nicht verstehen. Wir richten den Körper auf den Sprecher oder die Sprecherin aus. Wir wiederholen mit eigenen Worten, um zusätzliche Sicherheit zu bekommen. Wir senden mit Gestik und Mimik Zustimmung oder Unverständnis.

Sobald unser Gegenüber sich abwendet, nebenher auf das Handy schaut, abrupt das Thema wechselt oder uns häufig unterbricht ist klar: Der ist nicht bei der Sache! Sie können sich an dieser Stelle auch – als Teammitglied – selbst reflektieren, inwieweit Sie immer gut und zielgerichtet zuhören.

Hinterfragen Sie, ob Zielklarheit in Ihrem Team besteht. Dies betrifft vor allen Dingen Fristen und Zuständigkeiten. Wenn ein Teammitglied eine Aufgabe vollumfassend übertragen bekommt, ist es auch bis zum Ende verantwortlich. Und damit ist das Gesamtteam ergebnisorientiert. Wenn Sie klar kommunizieren, werden Ziele auch von allen und unter kompletter Zustimmung umgesetzt, und niemand im Team hegt innerlich Zweifel daran, ob das kommunizierte Ziel mitgetragen werden kann.

Mitglieder eines Teams, welches in Zielklarheit und Ergebnisorientierung arbeitet, genießen Erfolge gemeinsam, meiden Ablenkungen und wachsen gemeinschaftlich kontinuierlich.

Zielklarheit ist notwendig um den nächsten Impuls – als Letzten – umzusetzen.

4. Impuls: Definieren Sie Zuständigkeiten deutlich nach persönlichen Kompetenzen – und loben Sie

Wer macht was bis wann mit wem? Wenn diese Frage in Ihrem Team tatsächlich beantwortet werden muss, bevor sich jemand bewegt, sind Sie mit Ihrem ganz persönlichen Teamgedanken leider gescheitert.

Sobald Zuständigkeiten klar sind, ist auch die jeweilige Verantwortung klar. Mit Blick auf Ihr Team bedeutet Verantwortung auch, dass jedes Teammitglied bereit ist, andere Mitglieder des Teams in Bezug auf Verhalten und Leistung zur Verantwortung zu ziehen.

In einem gut funktionierenden Team sind dazu Fehler erwünscht, weil wir aus diesen gemeinschaftlich lernen. Fehler einzugestehen und um Unterstützung zu bitten, gehört genauso zu einer Fehlerkultur wie die Offenheit in der Kommunikation und die Klarheit bei den Zuständigkeiten. Jeder macht das, was er besonders gut kann. Sie entscheiden bei der Aufgabenverteilung nach persönlicher Kompetenz anstatt nach gesellschaftlichem Status. Wenn das gelingt, sind individuelle Fähigkeiten längst geklärt und die Freude am Job hat eine deutlich höhere Gewichtung. Wenn ich etwas gerne mache, geht es mir leicht von der Hand und das Ergebnis wird zur Zufriedenheit aller sein.

Führen, Lenken und Leiten sind die zentralen Aufgaben einer Führungskraft. Wenn es Ihnen jetzt noch gelingt, Ihr Team aufrichtig zu loben, ist Ihr Weg perfekt. Achten Sie darauf, dass Lob und Belohnung von einer individuellen Leistung hin zu einem Erfolg des Teams verlagert werden. Kein Team ist gewillt zu scheitern, weil ein einzelnes Teammitglied die eigene Zuständigkeit nicht verantwortlich übernimmt.

Fazit: Besser Teamplayer als nur Anwalt mit Angestellten

Entscheiden Sie für sich, ob Sie lediglich Anwalt oder Anwältin mit Angestellten, oder Teamplayer im eigenen Team sind. Denken Sie dabei daran, dass ein unzufriedener und wenig wertgeschätzter Mitarbeitender Ihnen und Ihrer Kanzlei leichter in der Außenwirkung schaden kann oder Ihnen das Leben noch schwerer machen kann, als Ihnen das lieb ist. Alte Strukturen sind wir gewohnt, und wir fühlen uns darin wohl. Mit dem Gedanken an Ihren nächsten Kaffee lohnt es sich allerdings auch, über ein wahrhaftiges Team in Ihrer Kanzlei nachzudenken.

Zimmermann
Weitere Beiträge

Nicole-Annegret Zimmermann ist seit 2014 selbständig als Business Coach mit den Schwerpunkten  Kommunikation, psychologische Beratung und Burn Out Therapie tätig. Sie berät mit maßgeschneiderten Angeboten Kanzleien und mittelständische Unternehmen.  Ihren Fokus legt sie auf die sich ständig verändernden Anforderungen und Erwartungen. Hierbei begleitet sie innovativ - ohne den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. 

Homepage: www.prosopon.de

Bild: Adobe Stock/©Nuthawat

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