Kanzleimitarbeiter

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Anders als so manches Klischee behauptet, sind Anwälte meist keine Alleinkämpfer. Sie leben auch von den Leistungen ihrer Kanzleimitarbeiter, die einen wesentlichen Teil dazu beitragen, dass „der Laden läuft“. Im Interview warnt Ronja Tietje als Vorsitzende des RENO Bundesverband vor dem zunehmenden Nachwuchsmangel von ReFas und ReNos. Sie verrät, worauf bei der Personalführung besonders zu achten ist

Frau Tietje, warum ist kluge und nachhaltige Personalführung für die Kanzleien so wichtig?

In Kanzleien gibt es große Nachwuchsprobleme. Pro Jahr kommen nur noch ca. 3.300 neue ReFas und 1.600 neue ReNos dazu. Das ist zu wenig, sieht man vergleichsweise die steigende Zahl der Anwaltschaft. Gründe dafür liegen in der wenig bekannten Attraktivität des Berufes: Die Anforderungen in diesem Beruf sind hoch, auch mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung. Die von der Anwaltschaft derzeit gezahlten Gehälter sind ein zusätzliches Problem. Viele Kolleginnen und Kollegen beklagen sich daneben auch über die fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit. So gehen viele gut ausgebildete ReNos und ReFas lieber in die Wirtschaft, auch wenn sie die Arbeit in der Kanzlei vielleicht spannender finden – doch das Gesamtpaket muss zur eigenen Lebensplanung passen. Das ist auch der Anwaltschaft nicht verborgen geblieben und so setzt langsam ein Umdenken ein.

Was genau meinen Sie mit fehlender Wertschätzung?

Wertschätzung für die eigene Leistung, also für die Arbeit, die die Kolleginnen und Kollegen als Teil des Kanzleiteams im Backoffice leisten, damit die Kanzlei läuft. Ein Lob an geeigneter Stelle, aber auch eine leistungsgerechte Vergütung, das Angebot, an geeigneten Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen zu können und eine individuelle Förderung und Forderung der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Also wieder einmal: Das Gesamtpaket macht die Wertschätzung aus.

Was tun Sie im Bundesverband zurzeit, um hier Verbesserungen zu erzielen?

Der Verband hat in der Vergangenheit aktiv an der Neuordnung der ReNoPat-Ausbildungsverordnung, die am 01.08.2015 an den Start gegangen ist, mitgearbeitet, um ein attraktives und modernes Berufsbild zu schaffen. Nun steht die nächste Aufgabe an: die Neuordnung der Fachwirtausbildung. Es gibt die bundeseinheitliche Fortbildung zum/zur Rechtsfachwirt/-in. Diese ist auf dem Stand von vor 20 Jahren und inhaltlich nicht sehr ausgefüllt. Hier sehen wir Handlungsbedarf, um bundesweit eine einheitliche Fachwirtausbildung zu gewährleisten. Leider sieht die BRAK als Arbeitgebervertretung nach einer bundesweiten Umfrage bei allen örtlichen Rechtsanwaltskammern derzeit keinen Neuordnungsbedarf. Das ist bedauerlich. Unterstützung bekommt der Bundesverband vom DAV, der den Mangel erkannt hat. Hier sind wir in guten Gesprächen. Daneben gibt es Gespräche mit der Bundesnotarkammer (BNotK), die erstmalig eine bundeseinheitliche Fortbildung zum Notarfachwirt anstrebt. Das begrüßen wir sehr und freuen uns auf die weitere Entwicklung.

Was müssen die Anwälte tun?

Man muss sehen, dass Anwälte bereits mit ihrer juristischen Tätigkeit in der Regel voll ausgelastet sind. Daneben haben sie aber auch ein Wirtschaftsunternehmen zu führen. Das erfordert ebenfalls Zeit für unternehmerische Entscheidungen und für Personalmarketing. Gut ausgebildete ReFas und ReNos können hier unterstützend tätig werden – wenn sie gut in die Kanzleiabläufe eingebunden werden und damit entsprechende Aufgaben in eigener Verantwortung übernehmen können. Der Abschnitt A in der neuen Ausbildungsverordnung bildet genau diese Themen ab, und es liegt an den Kanzleien, mit einer guten Ausbildung in den Nachwuchs zu investieren, um später eine/-n gut qualifizierte/-n ReFa/ReNo – auch mit Blick auf unternehmerische Aufgaben – einzusetzen. Um es auf den Punkt zu bringen: Anwälte müssen (noch mehr)in den beruflichen Nachwuchs investieren. Das ist auf dem hart umkämpften Ausbildungsmarkt schon eine große Hürde, da immer weniger junge Menschen überhaupt den Weg in die duale Ausbildung wählen.

Was bedeutet die Digitalisierung und Legal Tech für das Berufsbild von ReFas?

Die Digitalisierung ändert das Berufsbild. Ich sehe darin jedoch mehr Chance als Gefahr. So spart geschickt eingesetzte Digitalisierung Zeit ein, die dann für fachlich komplexere Tätigkeiten und die Mandantenbetreuung genutzt werden kann. Ein weiterer Aspekt kommt dabei erschwerend hinzu: Die Mandanten sind kritischer geworden. Sie erwarten neben der hohen fachlichen Expertise des Anwaltes auch eine gute nichtjuristische Betreuung. Auch hier: Das Gesamtpaket wird vom Mandanten bewertet. Umso wichtiger ist es, gute ReNos und ReFas zu haben, die dem Anwalt sowohl fachlich als auch bei der Mandantenbetreuung Rückendeckung geben können.

Welche Ausbildungsinhalte könnten ReFas und ReNos am besten auf die Digitalisierung vorbereiten?

Der elektronische Rechtsverkehr ist in der neuen ReNoPat-AusbV an verschiedenen Stellen fest verankert. So finden wir unter dem Bereich des elektronischen Rechtsverkehrs als allgemeinen Punkt in der Verordnung, der daher aber auch sehr umfassend ist. Aber auch beim Thema Datenschutz/Datensicherung spielt Digitalisierung eine Rolle – oder der elektronische Zahlungsverkehr. Ich denke, dass sich jede Kanzlei klarmachen muss, dass der Weg der Digitalisierung eingeschlagen wurde und es keine Umkehr mehr geben wird. Je eher man sich als Kanzleiteam auf dieses Thema einlässt, desto besser wird man darauf vorbereitet sein.

Könnten Sie zum Abschluss die für Sie drei Aspekte wichtigsten guter Kanzleiführung nennen?

Das auf drei Punkte zu reduzieren ist schwer. Aber ich will es versuchen:

  1. Einbindung des gesamten Kanzleiteams in die Ziele der Kanzlei,
  2. wertschätzender Umgang innerhalb des Kanzleiteams (in alle Richtungen),
  3. eine leistungsgerechte Vergütung für den hoch qualifizierten Beruf der ReNo/ReFa bzw. der Fachwirte.
©FotolEdhar – stock.adobe.com

Über den RENO-Bundesverband:

RENO steht für “Vereinigung der REchtsanwalts- und NOtariatsangestellten e.V. Die Vereinigung mit ihren bundesweit aktiven Orts- und Landesverbänden bildet den Zusammenschluss aller Mitarbeiter von Rechtsanwälten, Notaren und Patentanwälten. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die berufliche Aus- und Weiterbildung zu fördern, die entsprechenden Berufsgruppen in den Berufsbildungs- und Prüfungsausschüssen der Kammern zu vertreten und sich für gute Arbeits- und Gehaltsbedingungen einzusetzen. Die Mitglieder sind im gesamten Bundesgebiet in den Ortsvereinen und Landesverbänden organisiert.

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