Schon im Programm für das „47. FORUM – Start in den Anwaltsberuf“ vom 3. bis 4. November 2017 zeichnete sich ab, dass der Anwaltsberuf einen Wandel durchlebt. So lockte die Arbeitsgemeinschaft FORUM Junge Anwaltschaft vom Deutschen Anwaltverein mit Vorträgen und Workshops über Marketing und Digitalisierung nach Würzburg, statt juristische Themen anzusprechen. Die 67 Teilnehmer der halbjährlichen Veranstaltung nahmen nützliche und kontrastreiche Eindrücke mit.

Mit lokalem und digitalem Marketing-Mix zur eigenen Kanzlei

Um den Weg zur eigenen Kanzlei ging es im Vortrag des dynamischen Kanzleiteams „Dreber & Faber Rechtsanwälte & Notar“ aus dem nordhessischen Eschwege. Vor vier Jahren machten Dr. Kevin Faber und Ann-Kathrin Dreber „vom Telefon bis hin zum Tippen“ alles alleine. Heute beschäftigen die Jungjuristen 14 Mitarbeiter. Ihr Geheimnis? Neben ihrer unkonventionellen Art setzen sie auf offensives Marketing und nutzen dabei sowohl digitale als auch lokale Kanäle. Zunächst machten sie mit der Teilnahme an örtlichen Sportveranstaltungen oder Gewinnspielen (Erstberatung als Hauptpreis!) von sich reden. Dreber & Faber verfolgen dabei ein konkretes Ziel: „Viele Menschen gehen mit einer gewissen Angst zum Anwalt. Mit unserer Außendarstellung wollen wir Menschlichkeit vermitteln“, erklärte Ann-Kathrin Dreber, während sie dem Publikum die Kanzlei-Homepage präsentierte. Statt seriösen Schwarzweiß-Portraits finden sich hier lachende Gruppenfotos. „Teamgeist wird bei uns ganz groß geschrieben!“, betont die Anwältin. Der Erfolg gibt ihnen Recht. 2016 wurde das Duo mit dem ersten Platz des Kanzlei-Gründerpreises des Soldan Instituts ausgezeichnet. Auch die negativen Seiten der Selbstständigkeit ließ Ann-Kathrin Dreber nicht unerwähnt: „In den letzten Jahren hatte ich viele schlaflose Nächte. Trotzdem – gründen Sie selbst. Es lohnt sich!“

Noch mehr Tipps rund um Kanzleimarketing finden Sie auf kanzleimarketing.de

Erfahrene Praktiker raten: „Mut zur Unwissenheit“

Im Vortrag „Das Mandat von A bis Z – wie meistere ich meinen ersten Fall?“ lieferte Dr. Peter Auffermann das Kontrastprogramm zu seinen Vorrednern. Mit Aussagen wie „Der Mandant von heute kann der Feind von morgen sein“ wirkte der erfahrene Strafrechtler aus Würzburg zwar teilweise polarisierend, gleichzeitig gab er seinen Zuhörern aber handfeste Ratschläge: „Die Gebührenfrage sollten Sie sofort klären, egal wie unangenehm es ist.“ Ohnehin sei eine sachliche und distanzierte Mandantenbeziehung Grundvoraussetzung für Professionalität. Er plädierte auch für mehr „Mut zur Unwissenheit“. Kein Anwalt könne auf jedem Gebiet Bescheid wissen. Um sich hier abzusichern, sei kollegialer Rat und das Vier-Augen-Prinzip, beispielsweise bei der Verfassung von Schriftsätzen, unerlässlich. Auch Themen wie Kanzleiorganisation per Software und Recherche mit Online-Datenbanken sprach er kurz an.

Ein langer Atem ist unerlässlich

Die Folgevorträge des 47. FORUMS knüpften an Themen an, die schon in den ersten zwei Vorträgen angeschnitten wurden. Ralph Vonderstein, Leiter des Bereichs Legal Software bei Wolters Kluwer Deutschland, referierte über Software und elektronische Aktenführung. An Tag zwei der Veranstaltung ging es im Vortrag von Marketing-Expertin und Wirtschaftsrechtlerin Pia Löffler um die Möglichkeiten und Grenzen des Online-Marketings. Die Teilnehmer erhielten auch einen „Crashkurs“ über das besondere elektronische Anwaltspostfach und Methoden zur Mandantenakquise.

Insgesamt setzte das FORUM Junge Anwaltschaft bei der Traditionsveranstaltung klar auf Digitalisierung und Marketing. Aussteller wie Wolters Kluwer Deutschland, HDI und DKV ergänzten diese Schwerpunktsetzung mit umfangreichen Informationen zu ihren Produkten und Dienstleistungen. „Sind die Juristen von heute mit diesem Know-how für den Berufsalltag gewappnet?“, fragten wir die Vorsitzende des Forum Junge Anwaltschaft Ruth Nobel. „Man braucht natürlich eine gesunde Portion Zielstrebigkeit. Vor allem aber einen langen Atem. Oft wird man von älteren Kollegen unterschätzt. Wer sich aber in Gelassenheit übt, kann davon durchaus profitieren.“ Auch ein Wandel des Berufsstandes ändert offenbar nichts an den üblichen Hürden eines Junganwalts.

Vom 16. bis 17. März 2018 trifft sich das FORUM Junge Anwaltschaft wieder am Timmendorfer Strand, um sich für einen erfolgreichen Start in den Anwaltsberuf zu rüsten. Details zur Veranstaltung finden Sie auf der Homepage des FORUM Junge Anwaltschaft.

  
Proudly powered by WordPress