Verhandlung Praxis

Von Maria Dimartino

Auch wer schon einige Jahre als Anwältin oder Anwalt tätig ist, kann in der Praxis noch mit Unvorhergesehenem konfrontiert werden. Umso wichtiger ist es, mit gutem Handwerkzeug gerüstet zu sein, findet Maria Dimartino, die seit 2014 als Anwältin im Arbeitsrecht tätig ist. Im Interview spricht sie darüber, wie sie sich auf Verhandlungen vorbereitet, mit unvorhergesehenen Szenarien umgeht und welche Verhandlungstipps sie für (angehende) Juristinnen und Juristen hat. 

Frau Dimartino, inwieweit haben Sie sich vor Ihren eigenen Verhandlungserfahrungen als Anwältin schon mit dem Thema Verhandlungsführung und Verhandlungskonzepten auseinandergesetzt?

Verhandlungsthemen sind an der Uni erst in den letzten Jahren etwas populärer geworden. Ich bin aber froh, dass es mir möglich war, im Schwerpunktbereich Arbeitsrecht in Heidelberg erste Angebote für Mediation im Arbeitsrecht wahrzunehmen. Auch im Referendariat gab es Angebote für Rhetorik, da habe ich ebenso an einem Fortbildungsangebot der Justizakademie Hessen teilgenommen. Auch wenn mir das damals alles sehr abstrakt vorkam – später zeigte sich dann doch die Relevanz.

Sie sind Anwältin für Arbeitsrecht – einem Rechtsgebiet, in dem man teilweise mit emotionalen Mandantinnen und Mandanten in Kontakt kommt, beispielsweise nach einer Kündigung. Wie bereiten Sie Ihre Mandantschaft für gewöhnlich auf Verhandlungen vor?

Der erste Schritt ist erst einmal zuhören, den Sachverhalt zu erfassen und den Menschen abzuholen – aber auch die Emotionen etwas abzufangen. In einem weiteren Gesprächstermin, der mit etwas Abstand stattfindet, können dann Ziele und mögliche Strategien besprochen werden. Ich versuche meine Mandantschaft für die Stärken und Schwächen des Falles zu sensibilisieren.

Wie bereiten Sie selber sich auf eine Verhandlung vor?

Mir erscheint es immer noch wie im Studium erlernt.

Die gutachterliche Vorbereitung ist sehr hilfreich, da man durch sie den Sachverhalt von beiden Perspektiven betrachtet.

Dann findet man in der Regel die möglichen Schwächen der Argumentationsführung auf beiden Seiten. Recherchen rund um den Sachverhalt sind auch hilfreich – um mögliche Optionen zu finden, die die Partei bisher noch nicht im Blick hatte. Es ist daher wichtig, die Interessen der Parteien sowie die Möglichkeiten einschätzen zu können.

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Wie gehen Sie mit unvorhergesehenen Szenarien um – beispielsweise, wenn Sie in einer Verhandlung unterbrochen werden?

Was man in der Praxis lernt ist, dass man sich nicht auf alles vorbereiten kann. Daher ist es wichtig, mit gutem Handwerkszeug gerüstet zu sein. Eine Unterbrechung kann beispielsweise auch eine Chance sein, etwas Abstand zu gewinnen.

Haben Sie zum Abschluss Tipps für (angehende) Juristinnen und Juristen, denen ihre erste Verhandlung bevorsteht oder die noch wenig Erfahrung haben?

Angehende Juristinnen und Juristen sollten sich auf jeden Fall bewusst machen, dass eine Strategie bei der Verhandlungsführung wichtig ist. Ebenfalls wichtig ist, zwischen der Sache und dem Menschen zu trennen. Ein respektvolles Verhandeln auf Augenhöhe prägt auch die Außenwirkung.

Ein zu hartes Verhandeln ist in vielen Bereichen nicht ergebnisgerecht, gerade wenn es um Vergleiche geht.

Hier müssen im Idealfall beide Parteien mit einem guten Gefühl aus der Verhandlung gehen, sonst werden diese Vergleiche widerrufen oder es stellen sich die nächsten Herausforderungen bei der Vollstreckung. Wenn man in die Thematik einsteigen will gibt es viele Klassiker – z. B. das Harvard Verhandlungskonzept. Auch an den Universitäten und im Referendariat gibt es zunehmend Angebote, die wahrgenommen werden wollen.

Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Antworten.

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Maria Dimartino ist Rechtsanwältin. Sie arbeitet mit Schwerpunkten im Arbeitsrecht, Datenschutz und Neue Medien. Sie ist Referentin & Autorin im Arbeitsrecht und Beschäftigtendatenschutz, hält Vorträge auf digitalen Konferenzen und Barcamps und ist als Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen tätig.

https://www.jurvita.de/

Bild: Adobe Stock/©Knut

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