LL.M. Doktor

Von Carmen Schön

Fast jede:r Student:in oder Referendar:in stellt sich mindestens einmal während der juristischen Ausbildung die Frage, ob es sinnvoll und karrierefördend ist, neben dem Staatsexamen einen weiteren Titel zu erwerben. Diese Frage ist pauschal nur schwer zu beantworten. Daher soll dieser Artikel kurz darstellen, welche Gedanken man sich hierzu im Vorfeld machen sollte – und wann es sinnvoll ist, eine Promotion oder einen Master of Laws (LL. M.) in Erwägung zu ziehen.

1. Promotion oder LL. M. – was genau bedeuten diese Titel eigentlich und wofür stehen sie?

Erwirbt man einen Doktortitel im Rahmen einer Promotion wird einem damit die Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten bescheinigt. Er ist der höchste akademische Grad und kann erst nach erfolgreich bestandenem Ersten Staatsexamen erworben werden. Die Dauer einer Promotion variiert – im Durchschnitt benötigt man zwei bis fünf Jahre, um diesen Titel zu erwerben.

Der Master of Laws (LL. M.) ist nach dem Ersten oder auch Zweiten Staatsexamen zu erlangen. Nicht nur Jurist:innen, sondern auch andere Hochschulabsolvent:innen spezialisieren sich fachlich in ca. zwei bis vier Semestern in englisch- oder auch deutschsprachigen Ländern. Der Schwerpunkt liegt meistens auf dem jeweiligen Landesrecht, Rechtsvergleichung oder internationalem Recht.

2. Wo und wann kann ich diese Titel erwerben?

Um zu promovieren, braucht es eine:n Professor:in, der oder die diese Arbeit begleitet. Hier ist bereits abzuwägen, ob man den Titel eher schnell und pragmatisch erwerben möchte, oder es auch um die vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gewissen Themen geht. Daher lohnt es sich, seinen ausgewählten Doktorvater genau zu befragen, wie er bzw. sie sich die Betreuung vorstellt und welcher Anspruch hinter dem Erwerb des Titels steht. Weiter sollte man beachten, wie lange diese Person noch im universitären Bereich tätig ist und die Betreuung der Arbeit sicherstellen kann.

Der LL. M. kann sowohl im In- und auch Ausland an verschiedenen Hochschulen erworben werden. Die Frage lautet auch hier, ob man den Titel einfach nur schnell und möglichst preiswert erlangen möchte, oder damit primär fachliche Expertise aufbauen möchte. Diverse Portale im Internet und auch die Karriereseiten der FAZ, Süddeutschen oder Die Zeit etc. geben einen guten Überblick über Zulassungsvoraussetzungen, Kosten und thematische Positionierung.

Sowohl die Promotion als auch der LL. M. kann vor dem Einstieg in die eigentliche juristische Tätigkeit in einer Anwaltskanzlei oder einem Unternehmen, aber auch parallel zum Job erworben werden. Viele Kandidat:innen nutzen die Wartezweit zwischen dem Ersten Staatsexamen und dem Referendariat, um einen LL. M. zu machen. Andere möchten nach dem Zweiten Staatsexamen erst einmal etwas wissenschaftlich arbeiten und bemühen sich um eine Promotion. Zahlreiche Kanzleien bieten ihren Mitarbeitenden im Rahmen der beruflichen Tätigkeit an, parallel den LL. M. zu erwerben. Dies ist natürlich auch mit dem Doktortitel möglich – allerdings zeigt die Erfahrung, dass es sinnvoll sein kann, damit bereits vor dem Jobeinstieg zu beginnen und diesen dann während der beruflichen Tätigkeit fertigzustellen. Ansonsten kann die Doppelbelastung aus Promotion und Einarbeitung in die anwaltliche Tätigkeit zu groß sein.

3. Unterstützen diese Titel meine Karrierepläne?

Kommen wir nun zu der wichtigen Frage: Inwiefern unterstützen diese Titel die Karriere? Diese Frage ist nicht pauschal für alle zu beantworten. Der Doktortitel gilt in vielen Kanzleien und auch Unternehmen sicher immer noch als der „akademischste und damit wissenschaftlichste“ Abschluss. Dieser Titel vermittelt gerade gegenüber Mandant:innen einen gewissen Status. Der Titel wird von jedem erkannt und akzeptiert und mit einer gewissen Expertenpositionierung in Verbindung gebracht. Wobei dabei irrelevant ist, in welchem Fachgebiet dieser Titel erworben wurde.

Gerade in internationalen Großkanzleien ziehen jedoch viele Rechtsanwält:innen den Master of Law dem klassischen Doktortitel vor. Der LL. M.-Titel eignet sich insbesondere dann, wenn man später gerne international juristisch arbeiten möchte und gerne in einer englischen oder amerikanischen Kanzlei „Fuß fassen“ möchte. Hat man den Titel im (englischsprachigen) Ausland erworben, kann man in der Regel mit verhandlungssicheren Englischkenntnissen Punkten und hat als zusätzliches Plus u. U. bereits sehr viel über das Rechtssystem des entsprechenden Landes gelernt.

4. Ist es sinnvoll, beide Titel zu erlangen?

Da jeder der Titel (Dr. und LL. M.) eine andere Art von Qualifikation darstellt, kann man natürlich beide erwerben. Gerade in Großkanzleien ist die Kombination aus Dr. und LL. M. nicht selten. Aber: Es ist nicht erforderlich, um „Karriere“ zu machen. Jeder Titelerwerb erfordert viel Zeit, die man auch damit verbringen könnte, sich ein belastbares Netzwerk aufzubauen und Praxiserfahrung zu sammeln – das wird am Ende wahrscheinlich der größte Erfolgsfaktor sein.

  Promotion Master of Laws
Ziel

 

Die Promotion stellt für alle klassischen juristischen Karrierewege eine Bereicherung dar. Tätigkeit in einem internationalen Umfeld – oder persönliches Interesse an neuen, rechtsvergleichenden Kenntnissen.
Besonders geeignet für

 

Jurist:innen, die gerne wissenschaftlich tätig sind und sich gerne vertieft mit einem Thema beschäftigen möchten. Jurist:innen, die an anderen Rechtssystemen interessiert sind, gerne ihre Sprachkenntnisse erweitern möchten und eine Tätigkeit in einem Internationalen Umfeld anstreben.
Dauer

 

Ca. 1-5 Jahre – hängt vom Thema und Doktorvater ab. Deutsche LL. M. Programme laufen ca. 2 Jahre – Angebote im Ausland sind in ca. einem Jahr zu absolvieren.
Kosten Keine direkten Kosten, aber Finanzierung des Lebensunterhalts. Durchschnittlich ca. 10.000 Euro, ca. 300,00 Euro monatliche Studiengebühr, die auch höher ausfallen kann. Auch hier zusätzliche Kosten für die Finanzierung des Lebensunterhalts.
Weitere Beiträge

Die Managementberaterin und Volljuristin Carmen Schön berät seit 10 Jahren  Anwälte und Kanzleien in den Themen strategische Ausrichtung, Mandantenakquisition (Marktpositionierung der Kanzlei), Auftritt und Wirkung sowie Karriereplanung. Näheres zu den Themen erfahren Sie unter www.carmenschoen.de sowie in Ihrem Fachbuch Carmen Schön: Traumjob - Rechtsanwalt in einer internationalen Wirtschaftskanzlei.

Bild: Adobe Stock/©bizvector

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