Fast jeder Student oder Referendar fragt sich mindestens einmal während der juristischen Ausbildung, ob er einen zusätzlichen Titel neben dem Staatsexamen erwerben sollte. Wann ein Zusatztitel für Ihre Karriere sinnvoll ist, wollen wir in diesem Artikel beleuchten.

1. Dr., LL.M. oder MBA – was genau bedeuten diese Titel?

Mit einem Doktortitel wird Ihnen die Fähigkeit zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten bescheinigt. Er ist der höchste akademische Grad und kann erst nach erfolgreich bestandenem zweiten Staatsexamen erworben werden. Eine Promotion dauert im Durchschnitt zwei bis fünf Jahre. Dagegen können Sie den Master of Laws (LL.M.) bereits nach dem ersten oder nach dem zweiten Staatsexamen erlangen. Nicht nur Juristen, sondern auch andere Hochschulabsolventen spezialisieren sich fachlich in ca. zwei bis vier Semestern in englisch- oder deutschsprachigen Ländern. Der Schwerpunkt liegt meistens auf dem jeweiligen Landesrecht, Rechtsvergleichung oder internationalem Recht. Der wohl universellste Abschluss, der Master of Business Administration (MBA), deckt allgemeine Managementfunktionen ab. Das Studium richtet sich nicht nur an Juristen, sondern auch an Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler, die sich für Managementpositionen oder hohe Ämter im öffentlichen Dienst qualifizieren wollen. Als Voraussetzung muss man oft ein abgeschlossenes Hochschulstudium und einige Jahre Berufserfahrung nachweisen. Die Regelstudienzeit eines Vollzeitstudiums liegt zwischen einem und zwei Jahren.

2. Wo kann ich diese Titel erwerben?

Alle drei Titel können Sie im In- und Ausland an verschiedenen Hochschulen erwerben. Entscheidend ist, ob Sie den Titel einfach nur schnell und möglichst preiswert erlangen oder damit eine gewisse fachliche Expertise aufbauen möchten. Diverse Portale im Internet und auch die Karriereseiten der FAZ, der Süddeutschen oder Die Zeit etc. geben Ihnen einen guten Überblick über Zulassungsvoraussetzungen, Kosten und thematische Positionierung.

3. Unterstützen diese Titel meine Karrierepläne?

Die entscheidende und sicher auch spannende Frage ist, ob Ihnen einer dieser Titel in Ihrer weiteren Karriere helfen wird. Dies ist nicht pauschal für alle zu beantworten. Der Doktortitel gilt in vielen Kanzleien und auch Unternehmen sicher immer noch als der „akademischste und damit wissenschaftlichste“ Abschluss. Dieser Titel vermittelt gerade gegenüber Mandanten einen gewissen Status und wird von jedem erkannt, akzeptiert und mit einer Expertenpositionierung in Verbindung gebracht. Dabei ist irrelevant, in welchem Fachgebiet Sie den Titel erworben haben. Gerade in internationalen Großkanzleien ziehen jedoch viele Rechtsanwälte den Master of Law dem klassischen Doktortitel vor. Der LL.M.-Titel eignet sich somit insbesondere dann für Sie, wenn Sie später international juristisch arbeiten möchten und auch gerne in einer englischen oder amerikanischen Kanzlei Fuß fassen möchten. In einem begrenzten Zeitraum können Sie über das Rechtssystem eines anderen Landes viel lernen.

Der MBA ist sicherlich der am breitesten aufgestellte und für viele Juristen zunächst unattraktivste Titel. Hier geht es nicht um die Vertiefung Ihrer juristischen Kenntnisse, sondern um allgemeines Managementwissen. Wenn Sie sich für eine Karriere in einem Unternehmen interessieren und möglicherweise nicht nur in den klassischen juristischen Bereichen arbeiten möchten, kann dieser Zusatztitel für Sie sehr sinnvoll sein. Für eine Laufbahn als Rechtsanwalt ist der Titel sicherlich – mit wenigen Ausnahmen – nicht besonders nützlich.

4. Ist es sinnvoll, mehrere dieser Titel zu erlangen?

Da jeder der drei Titel (Dr., LL.M. und MBA) eine andere Qualifikation darstellt, können Sie natürlich auch zwei oder alle drei erwerben. Gerade in juristischen Großkanzleien ist die Kombination aus Dr. und LL.M. nicht selten. Aber:Mehrere Titel sind nicht erforderlich, um Karriere zu machen. Jeder Titelerwerb erfordert viel Zeit, die Sie auch damit verbringen könnten, sich ein belastbares Netzwerk aufzubauen und Praxiserfahrungen zu sammeln – das wird am Ende Ihr größter Erfolgsfaktor sein.

  
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