Vergaberecht

Im Jurastudium wird das Vergaberecht häufig nur am Rand behandelt – etwa als Teil des öffentlichen Wirtschaftsrechts, des besonderen Verwaltungsrechts oder in spezialisierten Schwerpunktbereichen. Dabei spielt die öffentliche Auftragsvergabe für Staat, Wirtschaft und Alltag eine enorme Rolle. Ob es um den Bau neuer Schulen, die Ausstattung von Behörden mit IT oder den Unterhalt der Verkehrsinfrastruktur geht: Jährlich werden in Deutschland öffentliche Aufträge im dreistelligen Milliardenbereich vergeben. Wer sich dafür interessiert, wie die öffentliche Hand Verträge schließt, welche strengen Regeln dabei zu beachten sind und wie Bieter ihre Rechte in Vergabeverfahren durchsetzen können, findet in diesem Beitrag einen Überblick über spezialisierte Studiengänge und Qualifikationsmöglichkeiten im Vergaberecht.

Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg:
Vergabe- und Vertragsrecht (LL. M.)

Dieser berufsbegleitende Masterstudiengang der Helmut-Schmidt-Universität richtet sich gezielt an Postgraduierte mit einem rechtswissenschaftlichen Hintergrund, die sich im öffentlichen Beschaffungswesen spezialisieren möchten. Das Curriculum verbindet das nationale, europäische und internationale Vergaberecht mit vertieften Kenntnissen im Vertragsrecht und der Vertragsgestaltung. Besonderer Wert wird auf die interdisziplinäre Ausbildung gelegt, weshalb auch Module aus den Verwaltungswissenschaften, der Betriebswirtschaftslehre und der Psychologie (z. B. Verhandlungspsychologie) integriert sind. Die Lehre findet in einer Mischung aus Blockveranstaltungen in Hamburg und angeleiteten Selbstlernphasen statt, was eine gute Vereinbarkeit mit Beruf und Familie ermöglicht.

Dauer: Sechs Trimester (berufsbegleitend). Jedes Trimester umfasst zwölf Wochen.

Voraussetzungen: Die Teilnahme ist nur im Rahmen einer Kooperation mit Ministerien oder nachgeordneten Dienststellen möglich. Die Bewerbung und die Auswahl der Kandidaten erfolgen über die jeweiligen Arbeitgeber. Für die Zulassung ist ein rechtswissenschaftliches Studium mit Erstem Staatsexamen oder ein rechtswissenschaftlicher Bachelor/Master mit mindestens 240 ECTS-Punkten erforderlich. Ausnahmsweise kann auch ein anderer Masterabschluss mit mindestens 60 ECTS-Punkten in den Rechtswissenschaften und einschlägiger Berufserfahrung anerkannt werden.

Kosten: Im Modulhandbuch und in der Studien- und Prüfungsordnung werden keine Studiengebühren oder Teilnahmeentgelte ausgewiesen. Etwaige Kosten dürften sich aus gesonderten Kooperations- oder Arbeitgeberinformationen ergeben.

Weitere Informationen: https://www.hsu-hh.de/wiso/vergabe-und-vertragsrecht-ll-m

University of Nottingham: Public Procurement Law and Policy
(LL. M./PGDip/PGCert)

Der LL. M. „Public Procurement Law and Policy“ der University of Nottingham ist ein spezialisierter postgradualer Studiengang im Bereich des öffentlichen Beschaffungsrechts. Er wird von der School of Law angeboten und steht in engem Zusammenhang mit der Public Procurement Research Group (PPRG), einem international anerkannten Forschungszentrum für Vergaberecht und Beschaffungsregulierung. Inhaltlich behandelt das Programm die rechtlichen Grundlagen und regulatorischen Rahmenbedingungen der öffentlichen Auftragsvergabe, unter anderem mit Blick auf das Vereinigte Königreich, die EU, UNCITRAL und die WTO.

Der Studiengang richtet sich nicht nur an Juristinnen und Juristen. Er ist ausdrücklich auch für Personen ohne juristischen Studienabschluss offen und eignet sich insbesondere für Beschaffungsverantwortliche, Policy-Maker, Beraterinnen und Berater sowie Personen, die im öffentlichen Sektor oder in internationalen Organisationen mit Vergabe, Beschaffung und Vertragsgestaltung befasst sind. Die Lehre erfolgt überwiegend im Distance-Learning-Format und wird durch Präsenz-Lehrwochenenden ergänzt.

Dauer: LL. M. in Teilzeit: 2 Jahre. Alternativ werden ein PGDip (Postgraduate diploma) mit 21 Monaten und ein PGCert (Postgraduate certificate) mit zehn Monaten angeboten.

Voraussetzungen: Für EU-Studierende wird mindestens ein Bachelorabschluss im britischen Klassensystem von 2:1 oder hohem 2:2 Niveau (entspricht in Deutschland etwa einem guten bis sehr guten Bachelor mit Note 2,5 oder besser) vorausgesetzt. Bewerber mit alternativen akademischen Hintergründen werden bei relevanter Berufserfahrung oder professionellen Zertifikaten ebenfalls berücksichtigt. Als Sprachnachweis ist ein IELTS mit Gesamtband 6,5 (mindestens 6,5 in Writing und Reading, 6,0 in Speaking und Listening) oder ein gleichwertiger Test wie TOEFL iBT (90 insgesamt) erforderlich.

Kosten: Die Gesamtkosten belaufen sich derzeit auf umgerechnet ca. 17.000 Euro. 

Weitere Informationen: https://www.nottingham.ac.uk/pgstudy/course/taught/public-procurement-law-and-policy-llm

George Washington University: Government Procurement Law (LL. M.)

Der LL. M. „Government Procurement Law“ der George Washington University Law School zählt zu den bekanntesten Spezialisierungen im Bereich des öffentlichen Beschaffungsrechts. Das Programm ist allerdings deutlich vom US-amerikanischen Government-Contracts-System geprägt: Im Mittelpunkt stehen vor allem Bundesvergaben, staatliche Beschaffungsverträge, Vertragsdurchführung, Kosten- und Preisfragen sowie Streitigkeiten im Zusammenhang mit öffentlichen Aufträgen in den USA. Ergänzt wird dies durch vergleichende und internationale Perspektiven, etwa zur internationalen Entwicklungszusammenarbeit und zu unterschiedlichen Beschaffungssystemen.

Für deutsche Bewerberinnen und Bewerber ist der Studiengang daher besonders interessant, wenn sie nicht nur deutsches oder europäisches Vergaberecht vertiefen möchten, sondern eine internationale Spezialisierung anstreben – etwa mit Blick auf Kanzleien, Unternehmen mit US-Bezug, Verteidigungs- und Infrastrukturprojekte, internationale Organisationen oder grenzüberschreitende Beschaffung.

Dauer: Der LL. M. kann bei Vollzeit in der Regel in einem akademischen Jahr absolviert werden; die flexible Online-/Hybrid-Variante wird von GW Law als 24-Credit-Programm beschrieben, das typischerweise in zwei bis drei Jahren abgeschlossen wird. Die Kurse können online, vor Ort oder in einer individuell kombinierten Form belegt werden.

Voraussetzungen: Voraussetzung ist ein erster juristischer Hochschulabschluss (z. B. Erstes Staatsexamen, LL. B.). Gute bis sehr gute Englischkenntnisse sind durch einen TOEFL-Score von mindestens 100 oder einen IELTS-Score von 7.0 nachzuweisen.

Kosten: Die Studiengebühren für den LL. M. liegen bei rund 55.000 Euro; Grundlage sind 24 Credits zu je 2.650 US-Dollar im Studienjahr 2025/26, umgerechnet zum aktuellen Wechselkurs.

Weitere Informationen: law.gwu.edu/llm-government-procurement-law

Der Fachanwaltslehrgang im Vergaberecht

Für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die in Deutschland bereits zugelassen sind und ihre theoretischen Kenntnisse im Vergaberecht nachweisen wollen, ist der Fachanwaltslehrgang die klassische Spezialisierungsoption. Die Ausbildung ist in der Fachanwaltsordnung (§ 14o FAO) geregelt und umfasst mindestens 120 Zeitstunden sowie drei fünfstündige Klausuren. Der Lehrgang vermittelt umfassende Kenntnisse zu öffentlichen Ausschreibungen, Vergabeverfahren, Rechtsschutz und den Besonderheiten verschiedener Auftragsarten (Bau, IT, soziale Dienstleistungen etc.). Zahlreiche Anbieter wie AK Jura, ARBER-Seminare oder die DeutscheAnwaltAkademie ermöglichen die Absolvierung in flexiblen Formaten (Präsenz, online oder hybrid). Nach erfolgreichem Abschluss des Lehrgangs und dem Nachweis praktischer Erfahrungen (Fallbearbeitung) kann bei der zuständigen Rechtsanwaltskammer die Verleihung des Titels “Fachanwalt für Vergaberecht” beantragt werden.

Dauer: Flexibel, je nach Anbieter in der Regel zwischen drei und zwölf Monaten (berufsbegleitend).

Voraussetzungen: Zulassung als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt.

Kosten: Die Kosten liegen im Durchschnitt etwa zwischen 1.300 Euro und 2.700 Euro zzgl. Prüfungsgebühren.

Weitere Informationen: Informationen zu den verschiedenen Anbietern finden sich auf Vergleichsportalen wie fachanwaltslehrgang.de oder direkt bei den Akademien wie ak-jura.de und arber-seminare.de.

Bild: Adobe Stock/©THINK b
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