Themen Anwaltschaft

Welche Themen spielen für Anwältinnen und Anwälte in diesem Jahr eine besondere Rolle? Wie gut fühlen sie sich auf die Einführung der aktiven beA-Nutzungspflicht vorbereitet? Und welche Bereiche ihrer Arbeit möchten sie gerne automatisieren? Mithilfe der MkG-Umfrage wollten wir diese und weitere Fragen beantworten. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

Befragungszeitraum: Februar bis April 2021

Die 324 Teilnehmer:innen der Umfrage aller Altersstufen sind zu 46 Prozent Einzelanwält:innen, zu 40 Prozent Volljurist:innen in kleinen Kanzleien und zu 5 Prozent Volljurist:innen in Großkanzleien.

Fast die Hälfte fühlt sich nicht ausreichend auf die Einführung der aktiven beA-Nutzungspflicht vorbereitet

Die gute Nachricht: Immerhin 54 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer geben an, eher gut (33 Prozent) oder sogar sehr gut (21 Prozent) auf die Einführung der aktiven Nutzungspflicht vorbereitet zu sein. Auf der anderen Seite sagen 44 Prozent, weniger gut (29 Prozent) oder sogar schlecht (15 Prozent) vorbereitet zu sein.

Volljuristinnen und Volljuristen in Großkanzleien gaben tendenziell häufiger an, sich eher gut oder sehr gut auf die Einführung zum 01.01.2022 vorbereitet zu fühlen – doch auch unter ihnen macht der Anteil derjenigen, die sich weniger gut oder schlecht auf die Einführung vorbereitet fühlen, ganze 40 Prozent aus.

Auch zwischen den Altersstufen lassen sich Diskrepanzen beobachten: Während bei den unter 40-jährigen „lediglich“ 38 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeben, weniger gut oder schlecht auf die Einführung der aktiven Nutzungspflicht vorbereitet zu sein, sind es bei den über 40-jährigen sogar 46 Prozent.

Welcher Bereich der Digitalisierung hat für die Anwaltschaft die höchste Relevanz?

Welche Digitalisierungsthemen haben für Anwältinnen und Anwälte derzeit die höchste Relevanz? Um die Antwort direkt vorwegzunehmen: Alle! Die Anwaltschaft scheint für alle Bereiche der Digitalisierung nach guten Lösungen zu suchen.  

59 Prozent der Teilnehmer:innen gaben an, dass die Digitalisierung der Mandatsarbeit für sie am relevantesten ist. Für 45 Prozent hat die Digitalisierung des Kanzleimanagements eine hohe Relevanz. Für den Bereich Homeoffice/Mobiles Arbeiten wünschen sich 42 Prozent Anregungen, Hilfe oder Informationen.

Auf die Frage, welchen Bereich ihrer Arbeit sie gerne automatisieren würden, nannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem administrative Aufgaben wie die Rechnungserstellung, Aktenanlage und -verwaltung. Auch die Mandatsannahme und Kommunikation (z. B. die Speicherung dieser) würden einige gerne automatisieren. Nicht zuletzt wurde hier auch das Dokumentenmanagement genannt.

Mit welchen Herausforderungen werden Anwältinnen und Anwälte derzeit konfrontiert?

Hier antworteten 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass die Digitalisierung von Kanzleiprozessen und gerichtlichen Verfahren (elektronischer Rechtsverkehr, Videoverhandlungen) für sie aktuell die größten Herausforderungen darstellen.

Die zweithäufigste Antwort: die finanziellen Folgen der Pandemie (44 Prozent). Dies zog sich jedoch nicht durch alle Altersklassen. Bei den 30- bis 40-jährigen wird stattdessen das Thema Mitarbeitergewinnung als zweitgrößte Herausforderung wahrgenommen (35 Prozent).

Auch das Thema Legal Tech, insbesondere die Konkurrenz durch Legal Tech-Unternehmen wie flighright.de und wenigermiete.de, wurde hier unter den freien Antworten mehrmals genannt.

Mehrfachnennungen möglich

Zu welchen Themen wünschen sich Berufsanfängerinnen und -anfänger Tipps?

Im Zuge der Umfrage wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch gefragt, zu welchem Bereich ihrer Arbeit sie sich beim Berufsstart mehr Informationen gewünscht hätten. Die Antworten geben deutlich Aufschluss darüber, welche Inhalte in der Juristenausbildung zu kurz kommen, aber im Arbeitsalltag von hoher Relevanz sind. Die Top-Antworten waren hier die Themen Gebührenabrechnung (47 Prozent), Mandantenakquise (46 Prozent), Buchhaltung (44 Prozent) sowie Verhandeln (44 Prozent).

Mehrfachnennungen möglich

Auch hier zeigen sich zwischen den Altersklassen Unterschiede. Während bei den unter 50-jährigen vor allem administrative Themen genannt wurden – wie die Themen Abrechnung (55 Prozent) und Buchhaltung (50 Prozent) – hätten sich über 50-jährige vor allem Praxistipps zum Umgang mit Mandanten und vor Gericht gewünscht, nämlich zum Thema Verhandeln (47 Prozent) und Mandantenbetreuung und -akquise (47 Prozent).

Fazit – Digitalisierungsthemen dominieren

Die Umfrage zeigte, dass sich ein nicht geringer Teil der Anwaltschaft nicht ausreichend auf die Einführung der aktiven Nutzungspflicht des beA vorbereitet fühlt. Auch bedingt durch die Coronakrise und die näher rückende Einführung der aktiven beA-Nutzungspflicht scheinen Anwält:innen die Digitalisierung von Kanzleiprozessen und gerichtlichen Verfahren, sowie die IT-Aufrüstung (vielleicht auch unfreiwillig) in den Fokus zu rücken.

Bilder: Adobe.Stock/©Igor_Filonenko, FFI-Verlag

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