LinkedIn Juristen

In Teil I dieses Interviews ging es um die Wirkung von Kanzleiwebsites auf Bewerbende. Diesmal richtet sich der Blick auf die andere Seite: Wie sichtbar sollten Jurist:innen eigentlich selbst im Netz sein, wenn sie sich beruflich neu orientieren wollen? Worauf kommt es bei der Selbstdarstellung an und was kann eher schaden als helfen? Christiane Jakobus, selbst Juristin, Legal Headhunterin und strategische Personal- und Karriereberaterin im Rechtsmarkt, gibt im zweiten Teil des Gesprächs Einblicke aus der Praxis und verrät, welche kleinen Schritte online schon einen großen Unterschied machen. 

Frau Jakobus, welche Rolle spielen Online-Auftritt und Sichtbarkeit im Netz heute für Jurist:innen auf Jobsuche?  

Digitale Sichtbarkeit ist heute kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein echter Karrierefaktor und -beschleuniger. Wer sich mit dem Gedanken an eine berufliche Veränderung trägt, darf auffindbar sein. Das heißt nicht, dass man jeden Schritt öffentlich machen muss. Aber ein gepflegtes, professionelles Online-Profil, etwa bei LinkedIn, öffnet Türen, die sonst vielleicht unbemerkt geblieben wären. 

Auch für latent Wechselwillige, also Personen, die nicht aktiv suchen, aber offen für interessante Möglichkeiten sind, kann Sichtbarkeit zum entscheidenden Hebel werden. Denn sie signalisiert: „Ich bin da, ich habe etwas zu bieten, ich bin ansprechbar.“ 

Wie wichtig ist ein professionelles Online-Profil grundsätzlich für die strategische Karriereplanung? 

Ein gutes Profil ist oft der erste Berührungspunkt zwischen Kandidat:innen und potenziellem Arbeitgeber, gerade wenn dieser über eigenes Active Sourcing oder Inhouse-Recruitment sucht. Im Legal-Bereich ist das Bewusstsein dafür noch nicht überall ausgeprägt. Viele Talente unterschätzen noch die damit verbundenen Chancen.  

Wer strategisch denkt, zeigt online nicht nur die absolvierten Stationen, sondern auch Haltung, Schwerpunkte und Entwicklungspotenzial. Das bringt mehr passendere Anfragen, sei es von Headhuntern oder direkt von Arbeitgebern. 

Worauf dürfen Jurist:innen bei der Netzwerkpflege achten? Gibt es so etwas wie einen Online-Knigge? 

Unbedingt. Netzwerkpflege im digitalen Raum bedeutet nicht mehr nur Visitenkarten tauschen, sondern präsent, wertschätzend und authentisch zu interagieren. Dazu gehört: auf Nachrichten antworten, auch ohne konkreten Anlass in Kontakt bleiben, und bei Beiträgen nicht nur liken, sondern ruhig mal einen durchdachten Kommentar dalassen. 

Was weniger gut ankommt: ständiges Eigenlob, unpersönliche Massennachrichten oder der Eindruck, dass jemand nur in Kontakt tritt, wenn er etwas will. 

Die Tonalität zählt ebenfalls: keine künstliche Förmlichkeit, dafür verbindlich und wertschätzend. Kommunikation mit Feingefühl in der digitalen Welt zahlt sich aus. 

Welche typischen Fehler machen Jurist:innen bei ihrer Online-Selbstdarstellung und wie lassen sie sich vermeiden? 

Ein häufiger Fehler ist der reine Fokus auf den Lebenslauf und absolvierte Stationen ohne Hintergrund. Fehlende Informationen oder ein veralteter Stand wirken unprofessionell. Ebenso problematisch: Wenn das Profil leer wirkt oder den Eindruck vermittelt, jemand sei gar nicht mehr in der Branche aktiv. 

Was hilft: Ein kurzer, prägnanter Profiltext, der zeigt, wo die eigenen Stärken liegen und was einen ausmacht. Persönlichkeit darf Haltung haben. Wer juristische Erfahrung mit Blick für Menschen, Wirtschaft oder neue Entwicklungen verbindet, darf das zeigen. 

Haben Sie Tipps, wie man z. B. mit ein paar wenigen Kniffen das persönliche LinkedIn-Profil optimieren kann? 

Drei Dinge haben große Wirkung: 

  • Ein aktuelles Profilfoto, professionell, aber nicht steif. 
  • Eine klare Überschrift mit Aussagekraft (nicht nur „Rechtsanwalt bei…“, sondern auch ergänzend Fachbereich u. ä.) 
  • Ein Infotext mit Substanz: wer bin ich, was treibt mich an, wohin will ich mich entwickeln? 

Hilfreich ist außerdem, auf Branchenschwerpunkte, bevorzugte Rollen oder besondere Kenntnisse hinzuweisen, so dass das Profil über entsprechende Keywords und Suchanfragen gefunden wird. 

Wird es heute eher positiv oder negativ gesehen, wenn jemand aktiv nach neuen Herausforderungen sucht, z. B. durch den Zusatz „offen für Neues“? 

Tatsächlich hat der Satz in der Praxis wenig Aussagekraft, weder über die tatsächliche Wechselmotivation noch über die Zielrichtung. Und er signalisiert auch nicht zwingend ernsthaftes Interesse. 

Wer sich in seiner Position wohlfühlt, aber offen für Gespräche ist, muss das nicht zwingend ins Profil schreiben. Ein klar formulierter Karrierewunsch reicht oft aus.  

Recruiter und Headhunter identifizieren passende Kandidat:innen ohnehin unabhängig von solchen Angaben. Viele gute Gespräche beginnen erst nach der Kontaktaufnahme und nicht, weil jemand sich als „offen“ beschrieben hat, sondern weil es menschlich und fachlich passt. 

Sollte man in seinem Profil auch klar benennen, was man nicht sucht oder ist das kontraproduktiv? 

Grundsätzlich empfehle ich den Fokus auf das, was man will. Negative Formulierungen („kein Großkanzlei-Umfeld“, „nicht wieder Litigation“) wirken schnell ablehnend und können dann doch spannende Möglichkeiten verhindern. Besser ist es, positiv zu formulieren: „Ich wünsche mir ein Umfeld mit engem Mandantenkontakt und Fokus auf Prävention.“  

Wie können Jurist:innen mit Lücken oder Brüchen im Lebenslauf souverän umgehen? 

Indem sie sie nicht verstecken. Ein kurzer Hinweis im Profiltext, z.B. zu einer Auszeit oder einer Orientierungsphase, kann sogar Vertrauen schaffen.  

Karrierewege verlaufen nicht mehr nach Schema F. Wer erklären kann, warum eine Pause notwendig war oder eine Umorientierung neue Perspektiven eröffnet hat, wirkt reflektiert und professionell. Gleichzeitig gilt: Brüche sollten eher knapp gehalten werden. Die Details lassen sich im persönlichen Gespräch viel besser einordnen. Dort ist Raum für Kontext und Dialog. 

Wie sinnvoll ist es, auf LinkedIn regelmäßig eigene Beiträge zu veröffentlichen oder zu kommentieren oder reicht ein gut gepflegtes Profil? 

Ein gepflegtes Profil ist die Grundlage, um gefunden zu werden. Durch aktive Interaktion kann man zusätzlich auf sich aufmerksam machen. Wer regelmäßig kommentiert oder Beiträge teilt, bleibt im Gedächtnis.  

Eigene Beiträge sind kein Muss, aber eine gute Gelegenheit, fachliches Interesse und Persönlichkeit zu zeigen. Wem die Zeit fehlt: Auch ein gut formulierter Kommentar kann Sichtbarkeit schaffen, vor allem, wenn er den Dialog erweitert oder eine eigene Perspektive ergänzt.  

Wichtig sind Regelmäßigkeit und Kontinuität. So entsteht Sichtbarkeit mit Substanz, und die macht im anspruchsvollen Markt oft den Unterschied. 

Das Interview führte Pia Löffler. 

Jakobus
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Christiane Jakobus ist Volljuristin und spezialisierte Personalberaterin sowie Headhunterin für den Rechtsmarkt mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in der Vermittlung von Jurist:innen. Mit ihrem Unternehmen furthermatch unterstützt sie Kanzleien und Rechtsabteilungen im Legal Recruiting und bei der nachhaltigen und passgenauen Besetzung juristischer Positionen durch aktive Ansprache von Talenten, strategische Beratung und klare Perspektiven für beide Seiten.

 

Foto: Erstellt mit ChatGPT
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