Solo-Kanzleien

Fast jede zweite Kanzlei in Deutschland ist eine Solo-Kanzlei. Das ist keine Randnotiz, sondern Markt-Realität. Gleichzeitig verändert Legal KI gerade, was ein Einzelanwalt leisten kann – wenn Tools und Angebote zur Arbeitsweise kleiner Kanzleien passen.

STAR-Umfrage verrät Kernzahl: 48,9 % Solo-Kanzleien

Laut STAR-Umfrage 2025 (Statistisches Berichtssystem für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Wirtschaftsjahr 2024), einer von der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) beauftragten und vom Institut für Freie Berufe (IFB) durchgeführten Erhebung, gilt: In 48,9 % der Kanzleien ist nur ein Rechtsanwalt bzw. eine Rechtsanwältin als Berufsträger tätig. Wichtig: „Ein Berufsträger“ heißt nicht automatisch „ohne Team“. Es können weitere Personen beschäftigt sein.

Nicht jede Solo-Kanzlei hat Personal

STAR zeigt zusätzlich: Bei 24,5 % der Kanzleien gibt es nur eine tätige Person, also den Inhaber ohne weitere Beschäftigte. Das ist die Gruppe, bei der Zeitdruck, Ausfallrisiko und Orga-Aufwand besonders stark aufschlagen.

Warum Legal KI für Solo-Kanzleien besonders viel bringt

In einer Solo-Kanzlei ist das Limit oft nicht Fachwissen, sondern Zeit: Schreiben, Struktur, Recherche, Zusammenfassung, Aktenstand, Standard-Mails, Erstentwürfe. Genau hier kann Legal KI wie ein Produktivitäts-Booster wirken – nicht als Ersatz, sondern als „zweite Hand“ für Routine:

  • Erstentwürfe für Schriftsätze, Anschreiben, Gliederungen
  • Kurz-Zusammenfassungen langer Unterlagen (und Ableitung von To-dos)
  • Checklisten und Standards für wiederkehrende Abläufe
  • Schnellere Vorarbeit für Mandatsannahme, Sachverhaltsaufbereitung und Argumentationslinien

Der Effekt ist für Einzelanwälte und Einzelanwältinnen oft größer als für große Einheiten: Wer keinen Apparat hat, spürt jede Stunde, die nicht in Mandatsarbeit fließt. Wie Neugründerin Melissa Nagel im MkG-Interview schildert, kann Legal KI gerade in Solo-Kanzleien die vielen Routine- und Sekretariatsaufgaben (Aktenanlage, Fristen, Standardkommunikation) stark entlasten – und genau deshalb brauchen Einzelanwälte einfache, bezahlbare KI-Angebote statt „Enterprise“-Pakete.

Aber: Damit KI in Solo-Kanzleien ankommt, müssen Anbieter umdenken

Viele Legal Tech-Angebote sind auf größere Kanzleien zugeschnitten: lange Onboarding-Projekte, hohe Mindestpreise, Admin-Aufwand, komplexe Setups. Für Einzelanwälte und Einzelanwältinnen braucht es andere Pakete – auch wenn der einzelne Kunde weniger Umsatz bringt. Die Rechnung kann über Masse funktionieren, wenn das Angebot passt:

Was Solo-Kanzleien typischerweise brauchen

  • Einstieg ohne Projekt (einloggen, loslegen, Vorlagen nutzen)
  • Klare Preismodelle (kleine Pakete, monatlich kündbar, nutzungsbasiert)
  • Schneller Nutzen in 1–2 Wochen, nicht in 3 Monaten
  • Sichere Nutzung (vertrauliche Inhalte, saubere Einstellungen, klare Regeln im Team „Ich“)

Was Anbieter liefern sollten

  • Solo-Tarife mit fairer Einstiegshürde
  • Vorlagen-Pakete für typische Fälle/Workflows
  • Kurz-Schulungen und klare Leitfäden („So nutzt du KI sicher und sinnvoll“)
  • Support, der nicht erst ab 10 Lizenzen funktioniert

Fazit

Die Daten zeigen: Solo ist kein Sonderfall – Solo ist für viele der Normalfall.
Legal KI kann Einzelanwälten und Einzelanwältinnen heute deutlich mehr Möglichkeiten geben als ohne KI: mehr Output, mehr Standard, weniger Leerlauf. Damit das in der Breite ankommt, müssen Anbieter Angebote bauen, die auf Solo-Kanzleien zugeschnitten sind – und die Masse als Chance sehen.

Quelle: Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) / Institut für Freie Berufe (IFB): STAR 2025 – Statistisches Berichtssystem für Rechtsanwälte, Ergebnispräsentation Wirtschaftsjahr 2024 (Nürnberg, Februar 2026).

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Markus Weins ist Gründer und Inhaber des FFI-Verlags. 

Foto: Erstellt mit ChatGPT
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