Chefsache Anwaltscoaching

Mit dem Thema Anwaltscoaching kennt Johanna Busmann sich aus: Seit über 30 Jahren coacht sie Anwälte und Anwältinnen, u. a. zu den Themen Mitarbeiterführung, Rollenkonflikte, Selbst- und Zeitmanagement. Jetzt hat sie ihr gesammeltes Wissen in ihrem Buch „Chefsache Anwaltscoaching“ aufgeschrieben, das ab sofort vorbestellbar ist. Im Interview mit MkG-Online teilt sie ihre Erfahrungen und verrät, wieso und für wen das Buch lesenswert ist – und wann sich ein Coaching für Anwälte und Anwältinnen lohnt.

Liebe Frau Busmann, Sie blicken auf 30 Jahre Erfahrung im Kanzlei- und Anwaltscoaching. Was unterscheidet ein Coaching von einem Seminar oder einer Mediation?

Ein Coaching bietet Lösungen für alle Herausforderungen im Anwaltsalltag, die nicht durch ein Seminar (da werden Fähigkeiten geübt), nicht durch eine Mediation (da wird Streit geschlichtet) und nicht durch eine Unternehmensberatung (da wird Betriebswirtschaft zum Werkzeug) lösbar sind. Die häufigsten Coaching-Themen in Kanzleien haben mit Rollenkonflikten zu tun (der Anwalt oder die Anwältin als Unternehmer:in, Hierarchiefurcht, Führungsschwäche), die schwierigsten betreffen die Gehirnorganisation des Anwalts (Glaubenssätze, Motivation, Selbst- und Zeitmanagement), und die ökonomisch bedrohlichsten Themenkomplexe (Organisationschaos und fehlende Strategie) verbinden eine negative Kanzlei- und Führungskultur – oft monokausal – mit  Umsatzrückgang.

Welche Vorteile hat die Lektüre Ihres Buchs „Chefsache Anwaltscoaching“ für Anwälte und Anwältinnen?

Es ist alltagstauglich, konkret, und jeder Leser und jede Leserin kennt ähnliche Beispiele. In 24 Kapiteln von A (wie Abgrenzung) bis Z (wie Zeitmanagement) erfahren die Leser:innen auf ca. 760 Seiten Details echter Coachingfälle in Anwaltskanzleien und deren Lösung. Konkretes Hintergrundwissen, zahllose Tipps, erstaunliches Coach-Wissen und Hausaufgaben in jedem Kapitel vermitteln Vorgehensweisen in Fällen, in denen alle Seminare versagen würden: Im Coaching geht es um deutlich mehr als um die Vermittlung von Fähigkeiten.

Die alphabetische Schlagwort-Struktur liegt mir persönlich und kennzeichnet schon mein erstes Buch. Leser und Leserinnen finden dadurch sofort das für sie passende Modul und starten – ohne Vorkenntnisse zu benötigen – am besten genau dort.

Möglicherweise liegt ein weiterer Vorteil für einige Leser und Leserinnen in der Erkenntnis, dass sie mit ihren eigenen – noch nie mitgeteilten – Schwierigkeiten in guter Gesellschaft vieler Kollegen und Kolleginnen sind.

Kann es auch ratsam sein, das Buch „präventiv“ zu lesen, wenn also gerade kein akutes Problem besteht?

Vorsorge ist immer ratsam. Wer ein Problem an seiner Entstehung hindert, kann viel Zeit, Energie und Geld einsparen – und sogar langfristig die Arbeitsplätze in seiner Kanzlei schützen. Wer das Buch liest, ohne selbst ein relevantes Coaching-Thema in sich zu tragen oder um sich zu haben, kann diese Vorsorge durch das Buch ausweiten, seine Kolleg:innen und Mitarbeitenden instruieren und sich die ganze Zeit freuen, was er alles seit langem richtig macht.

Wer das Buch liest und selbst bereits einen Coaching-Fall bei sich oder in seiner Kanzlei erkennt, befürchtet oder vermutet, kann zuerst das inhaltlich verwandte Kapitel lesen (und sich durch die Fußnoten zu weiteren benachbarten Themen leiten lassen), viele Tipps zum Selbst-In-Die-Wege-Leiten dort abholen, Hausaufgaben im Buch erledigen und sich dann entscheiden, ob er außerdem einen Coach anruft.

Was sind aus Ihrer Erfahrung Themen und Probleme aus dem Anwaltsalltag, in denen Anwälte und Anwältinnen von einem Coaching am meisten profitieren können?

Anwält:innen benötigen einen Coach für die „Zeitzone Zukunft“, wenn sie demnächst lieber Gärtner bzw. Gärtnerin wären, wenn sie eine neue Kanzlei oder eine neue eigene Rolle am Markt aufbauen oder die derzeitige umstrukturieren wollen.

Anwält:innen benötigt einen Coach für die „Zeitzone Gegenwart“, wenn sich wiederholt in ihren Einflussbereichen unerwünschte Ereignisse derselben Kategorie signifikant wiederholen (z. B. Mitarbeitende sind krank oder kündigen, Streitigkeiten im Büro, Zeitnot, Disziplin-, Ziel- oder Strategielosigkeit, Mandanten und Mandantinnen wandern ab, inkonsistente oder fehlende Anweisungen, Mobbing, Sexismus etc.).

Welchen zentralen Nutzen ziehen Anwälte und Anwältinnen aus diesem Buch?

Würden Anwälte und Anwältinnen durch das Buch erkennen, wodurch ihr eigenes Verhalten oder Denken suboptimale Zustände in ihrem Einflussbereich hervorbringt, dann (und nur dann!) könnten sie diese Zustände sofort, selbst und für immer ändern. Das wäre ein echter Machtzuwachs. 

Das Buch hilft dem Leser oder der Leserin, sich selbst durch konkrete Beispiele und Hintergrundinfos „auf die Schliche“ zu kommen, so dass er oder sie unzureichende Führung, schlechtes Selbstmanagement, „Blinde Flecken“, folgenreiche Rollenkonflikte und hinderliche Glaubenssätze „ad acta“ legen kann.

Anwälte und Anwältinnen haben ja kein neutrales und konstruktives Feedback über ihre eigene Wirkung im Arbeitsalltag, und da wird der Business-Coach in Live-Gesprächen manchmal zum „Spiegel“ bzw. zum ersten ernsthaften Feedback-Geber im beruflichen Leben seines Klienten oder seiner Klientin.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

Anwaltscoaching

 

Johanna Busmann, „Chefsache Anwaltscoaching“ 24 typische Coachingthemen in Anwaltskanzleien: Fälle, Lösungen, Methoden und Hintergründe, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2021, 760 Seiten, ISBN 978-3830551287, 89,00 EUR

Das Buch erscheint im Dezember 2021. Jetzt vorbestellen.

Foto Buchcover: Berliner Wissenschafts-Verlag