Ob im Gerichtssaal, bei der Mandantenakquise oder beim Fortbildungsseminar: Wer als Anwalt arbeitet, kommt um die freie Rede kaum herum. Sei es nun das Plädoyer, der Erbrechtsvortrag an der Volkshochschule oder das RVG-Seminar für angehende Rechtsanwaltsfachangestellte. Und übrigens – das ist auch gut so! Denn mit der richtigen Herangehensweise macht dieser Teil der juristischen Arbeit richtig Spaß – und lohnt sich: Wer möchte im Gerichtssaal nicht den Richter auf seine Seite ziehen? Wer sammelt nach dem Erbrechtsvortrag nicht gerne Mandate am Fließband ein? Wer zieht nicht gerne die Zuhörer des ach so trockenen RVG-Seminars in seinen Bann?

Heben Sie sich von den anderen ab!

Das Gute ist: Die Zuhörer sind meist nicht verwöhnt. Nein, so hart es klingt: Wir alle sind schlechte Vorträge gewohnt! Unübersichtliche Powerpoint-Slides, langatmige Gesetzeszitate, monotoner Vortragsstil – die Liste ist lang. Dabei kann man sich mit ein paar wenigen Kniffen und dem Anspruch, es besser zu machen als alle anderen, leicht vom Rest abheben. Und genau darum geht es: Wer das Publikum in seinen Bann zieht, hebt sich nicht nur von der allgegenwärtigen Konkurrenz ab, sondern bringt seine Botschaften ganz gezielt an den Mann und die Frau.

Aber wie halte ich einen guten Vortrag?

Die wichtigsten drei Bestandteile eines gewinnenden Vortrags? Botschaft, Leidenschaft und Übung.

1. Botschaft

Es hört sich so selbstverständlich an und doch ist es der häufigste Fehler. Bevor ich an das Mikrofon trete, muss ich genau wissen, was ich eigentlich sagen möchte: Welche Botschaft soll bei meinem Publikum am Ende meines Vortrags hängen bleiben? Seien Sie rigoros: Nur eine Message wird der Zuhörerschaft in Erinnerung bleiben, also zwingen Sie sich ohne Kompromisse, genau diese eine Botschaft festzulegen. Es lohnt sich – denn wer diese einmal definiert hat, dem fällt der Rest wie Schuppen von den Augen: die Einleitung, die Kerngeschichte, der Schluss.

2. Leidenschaft

Mit Fakten haben wir Juristen tagtäglich zu tun. Das macht uns gerne glauben, dass wir für Emotion nicht anfällig sind. Aber wenn Sie einmal ganz genau darauf achten, wann Sie bei einem fremden Vortrag ganz genau zuhören, wird Ihnen schnell auffallen: Wir sind von Geschichten besessen. Zu welchem Professor ging man früher an der Uni am liebsten? Dem Fakten-Vorleser oder dem Story-Teller? Und – bei welchem von beiden ist am Ende des Tages mehr hängen geblieben?

Verpacken Sie Ihre Botschaft in Geschichten und persönliche Begegnungen, erzählen Sie von Ihren Mandanten, Ihrer Familie, Ihren Beobachtungen. Glauben Sie mir, Ihr Publikum wird an Ihren Lippen hängen und die so charmant verpackte Botschaft nicht so schnell vergessen.

3. Übung

Wie so oft im Leben gilt auch bei der freien Rede: Übung macht den Meister. Bereiten Sie sich gut vor, planen Sie Ihre Geschichte und üben Sie den Vortrag mehrmals in ungestörter Umgebung. Die Nervosität wird kommen, so viel ist sicher. Aber mit genügend Vorbereitung wird sie Ihnen nichts anhaben können.

Seien Sie mutig!

Denken Sie immer daran: Sie können nur gewinnen. Also seien Sie mutig – das Publikum wird es Ihnen danken. Das verspreche ich Ihnen.

  
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