Fachliche Ausrichtung, Höhe des Gehalts oder kollegialer Umgang und Wohlfühlatmosphäre? Worauf sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Kanzlei achten?

Viele Anwälte stellen sich im Laufe ihrer Karriere die Frage, zu welcher Kanzleikultur sie am besten passen. Woran erkennt man eigentlich die Kultur einer Kanzlei und was ist wirklich wichtig?

1. Die fachliche Ausrichtung sollte stimmen

Um es gleich vorwegzunehmen: Es gibt nicht die eine Kanzlei, die zu jedem Rechtsanwalt am besten passt. Vielmehr stellt sich die Frage, was Ihnen persönlich wichtig ist.

Ihre erste Frage sollte zunächst sein, ob Ihre Kanzlei Sie fachlich weiterbringt. Was nützt Ihnen eine angenehme Arbeitsatmosphäre, wenn Sie sich nicht mit Ihrem Schwerpunktthema beschäftigen können? Anders ist es, wenn Sie sich noch nicht für einen Themenbereich entschieden haben und offen sind.

2. Was brauchen Sie, um gut arbeiten zu können und sich wohlzufühlen?

Eine Kanzleikultur passt zu Ihnen, wenn Sie in Ihrem Job das leben können, was Ihnen wichtig ist. Also: Was ist Ihnen im beruflichen Umfeld wichtig? Welche persönlichen Präferenzen haben Sie? Ist es ein kollegiales Umfeld, eine klare Struktur der Kanzlei oder eine internationale Ausrichtung?

Es kann sehr hilfreich sein, wenn Sie für sich einmal den perfekten Tag in Ihrer Wunschkanzlei skizzieren und überlegen, was genau dazugehört. Überlegen Sie, welche Werte Sie im beruflichen Alltag leben möchten.

3. Harte und weiche Faktoren der Kanzleikultur

Es gibt sowohl harte als auch weiche Faktoren einer Kanzleikultur. Zu den harten Faktoren gehören z. B.

  • fachliche Ausrichtung und Größe der Kanzlei,
  • Organisationsstruktur der Kanzlei,
  • Art der Arbeitsabläufe einer Kanzlei,
  • Höhe Ihres Gehalts,
  • Büroadresse und Büroausstattung,
  • Kleiderordnung und Statussymbole,
  • Karriere- und Entwicklungsprogramme.

Weiche (Kultur-)Faktoren sind dagegen z. B.

  • Kommunikationsverhalten der Mitarbeiter untereinander,
  • Kollegialität und Teamspirit,
  • Führungsverhalten der Partner,
  • Umgang mit Transparenz,
  • die Art, wie Konflikte ausgetragen werden,
  • Rollenverständnis des Associates.

Gerade diese weichen – und scheinbar nicht ganz so wichtigen – Kriterien übersehen viele Bewerber und stellen dann nach einigen Wochen fest, dass es nicht passt. Erschwerend kommt hinzu, dass natürlich keine Kanzlei Ihnen erzählen wird, dass man nicht miteinander spricht, so gut wie keine Führung stattfindet und auch Konflikte totgeschwiegen werden. Daher ist es nicht ganz so einfach, hierfür ein Gefühl zu entwickeln.

Überlegen Sie sich aber dennoch, welcher dieser Punkte Sie anspricht bzw. Ihnen wichtig ist und womit Sie schon heute in Ihrer Kanzlei zufrieden sind oder auch, wo Sie sich Veränderung wünschen. Wie genau sollte die Veränderung aussehen?

Beachten Sie bitte immer, die Kultur einer Kanzlei verändert sich nicht von heute auf morgen. Jede Kanzlei hat ihre eigene „DNA“, die seit vielen Jahren – bewusst oder unbewusst – gelebt wird. Sie alleine werden dies nicht verändern können, es gelingt mit viel Anstrengung und Zeit immer nur im Team. Wenn Sie also von Ihrer Kultur zu viel vermissen, dann kann ein Wechsel in eine andere Kanzlei durchaus sinnvoll sein.

4. Wechsel sind erlaubt!

Manchmal muss man erst einmal eine Kanzleikultur leben, um feststellen zu können, ob sie zu einem passt. Natürlich sollten Sie sich über die harten und weichen Faktoren der Kultur zuvor schon Gedanken machen. Was einem wichtig ist, zeigt aber häufig erst die Praxis. Daher gestehen Sie sich zu, das eine oder andere Mal auch die Kanzlei zu wechseln – Sie können und müssen nicht im Vorstellungsgespräch alles erkannt haben. Wenn Sie wechseln, dann reflektieren Sie aber zunächst bewusst, was Ihnen genau fehlt, und achten Sie beim nächsten Arbeitgeber darauf, dass Sie dieses Kriterium „auf Herz und Nieren“ prüfen.

Ich habe viele Kunden, die sich zunächst von einer starken Kanzleimarke und einem hohen Gehalt haben locken lassen, jedoch einige Wochen später feststellten, dass ihnen der offene und kollegiale Umgang miteinander fehlt, und daraufhin die Kanzlei gewechselt haben.

Testen Sie Ihren potenziellen Arbeitgeber immer mit Herz und Verstand! Sowohl Kopf als auch Bauch sind wichtig, um erfolgreich zu sein.

 

  
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