Um als Rechtsanwalt beruflich erfolgreich zu sein, benötigen Sie zusätzlich zu Ihren fachlichen Qualifikationen unternehmerische Fähigkeiten und Führungskompetenz. Die letztgenannten Schlüsselkompetenzen werden im Jurastudium aber höchstens am Rande vermittelt, sodass viele ins kalte Wasser springen, wenn sie das erste Mal mit Führungsaufgaben konfrontiert sind. Damit es Ihnen nicht so ergeht, raten wir, sich unbedingt rechtzeitig Gedanken zu machen, wie Sie Ihre Rolle als Chef ausfüllen möchten. So vermeiden Sie Missverständnisse mit Ihren Mitarbeitern und auch Demotivation. Gleichzeitig sichern Sie sich eine angenehme Kanzleiatmosphäre und damit auch Ihren wirtschaftlichen Erfolg.

Im Zuge unserer Kanzleiberatung analysieren wir die Personal- und Organisationsprozesse und führen diverse Coaching-Gespräche. Hier zeigt sich immer wieder, dass Anwälten die vielen Aufgaben, die sie durch ihre Führungsrolle übernehmen, oftmals nicht bewusst sind. Deshalb haben wir nachfolgend für Sie die sieben wichtigsten Aufgaben zusammengestellt.

Aufgabe 1: Eine Kanzleikultur nach Ihren Wünschen erschaffen

Schaffen Sie eine Kanzleikultur, in der sich Ihre Mitarbeiter und Sie sich als Chef wohlfühlen. Vorgaben sind hier unangebracht, denn eine aufgedrückte Kultur wird von anderen nicht gelebt. Sie sorgen dafür, dass die gewünschte Kultur entstehen kann, in dem Sie als gutes Vorbild fungieren. Grüßt beispielsweise der Chef, so grüßen auch die Mitarbeiter. Dafür müssen Sie Ihre Wertvorstellungen definieren und die Art und Weise reflektieren, in der Meetings abgehalten, das Kanzleimiteinander gelebt oder mit Konflikten umgegangen werden soll. Zudem sollten Sie Ihre Mitarbeiter in den Prozess einbinden. Denn nur so ist garantiert, dass das ganze Kanzleiteam die Kanzleikultur lebt.

Aufgabe 2: Ziele formulieren und konkrete Aufgaben ableiten

Formulieren Sie exakte Kanzleiziele und setzen Sie sie in konkrete Aufgaben für Sie und Ihre Mitarbeiter um. Dazu müssen Sie wissen, wo Sie am Ende stehen wollen.

Ein Beispiel:

Ziel: Die Materialkosten der Kanzlei sollen ohne Qualitätsverlust im Jahr um 10 % reduziert werden.

Aufgabe: Analyse der Materialkosten im letzten Jahr. Materialverwendung des letzten Jahres auf Einsparpotential überprüfen. Angebote und Lieferantenkonditionen von bestehenden und neuen Lieferanten überprüfen. Lagerkapazitäten analysieren.

Kontrolle: Analyse der Materialkosten nach Jahresablauf.

Woher sollen Ihre Mitarbeiter wissen, wo es hingehen soll,

wenn Sie es entweder nie definiert oder nicht ausgesprochen haben?

Aufgabe 3: Planen und richtig delegieren

Delegieren spart Ihnen nicht nur Zeit, sondern ist auch ein Motivationsfaktor für Mitarbeiter. Delegieren Sie mitarbeitergerecht und planen sie genügend Zeit für Delegationsgespräche ein. Überprüfen Sie von Zeit zu Zeit, zu Beginn etwas engmaschiger, die Delegationsprozesse und geben Sie zeitnah Feedback (positiv wie negativ).

Aufgabe 4: Steuern und lenken

Sorgen Sie dafür, dass Aufgaben auch erfüllt und Aufträge umgesetzt werden. Dazu benötigen Sie – ggf. tabellarische –Ziel- und Aufgabenpläne, die genau definierte Zeitspannen, Prioritätenbewertungen und Überprüfungsprozesse beinhalten.

Aufgabe 5: Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern Ihre Wertschätzung in Form von Lob und konstruktiver Kritik

Entgegen der allgemeinen Annahme erleben Mitarbeiter Wertschätzung nicht nur über finanzielle Belohnungen. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern Anerkennung für ihre Arbeit, indem Sie ihnen für einen besonders guten Arbeitseinsatz danken. Oder stellen Sie Wasser, Kaffee und Tee für das Kanzleiteam zur freien Verfügung. Auch ein ergonomischer Arbeitsplatz oder eine kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag kann Wertschätzung ausdrücken. Kritik üben Sie bitte zeitnah und diskret zum betreffenden Ereignis. Dabei ziehen Sie Beispiele heran und kritisieren nur Verhalten, das auch weiteres Lernen möglich macht. Geben Sie Ihren Mitarbeitern dabei auch Gelegenheit zur Reaktion.

Aufgabe 6: Klar kommunizieren/Informationen geschickt teilen/Entscheidungen treffen

Kommunizieren Sie für Ihre Mitarbeiter klar und verständlich, um von vornherein Missverständnisse zu vermeiden. Platzieren Sie Informationen dort, wo sie gebraucht werden, und schaffen Sie auch darüber eine Kultur des Vertrauens. Binden Sie, wo inhaltlich und sinnvoll möglich, Ihre Mitarbeiter in Ihre Entscheidungsprozesse mit ein. Kommunizieren Sie getroffene Entscheidungen transparent und erläutern Sie diese bei Bedarf. Sie werden schnell feststellen, dass Sie dadurch störungsarm und entspannter arbeiten können. So vermeiden Sie auch, dass alles allein auf Ihren Schultern lastet.

Aufgabe 7: Mitarbeiterführung als ständigen Prozess begreifen und sich an veränderte Anforderungen anpassen

Eine Kanzlei ist wie jede Organisation ständigen Veränderungen ausgesetzt. Neue Mitarbeiter kommen, Mitarbeiter mit bestehenden Arbeitsverhältnissen suchen andere Herausforderungen, es gibt neue gesetzliche Vorgaben etc. Als Führungskraft müssen Sie immer neu und zeitnah auf Veränderungen reagieren können. Planen Sie dafür zwingend Zeitkontingente ein, in denen Sie sich diesen Themen entsprechend widmen können, um auch langfristig erfolgreich zu bleiben.

Abschließend die zwei Grundvoraussetzungen für die eigene Rolle als Führungsperson: Die eigene Bereitschaft zur Selbstreflexion und ein hohes Maß an Fremdreflexion. Wissen Sie, wo Sie selbst beruflich stehen? Was sind Ihre besonderen Fähigkeiten, Eigenschaften und Präferenzen? Welche beruflichen Ziele haben Sie? Zudem müssen Sie erkennen können, was Ihre Mitarbeiter besonders gut können oder welche Persönlichkeitseigenschaften sie mitbringen. Weiter sollten Sie analysieren, wo noch Entwicklungspotenziale stecken, damit Ihre Mitarbeiter ihren Job gut ausfüllen und damit Ihrer Kanzlei zum gewünschten Erfolg verhelfen.

  
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